Die Verdinglichung der geistigen Funklionen. 461
quasi in fasciculum collegerit, ipsa illa apprehensione
at collectione unum dicitur“.2) So sind allgemein die funda-
mentalen Begriffe nicht dingliche Eigenschaften, die den Objekten
ainverleibt und von ihnen abzunehmen wären, sondern Ergeb-
nisse ursprünglicher gedanklicher Synthesen. Wir müssen die
festen Gebilde, um ihre Herkunft und ihre Tragweite zu ver-
stehen, zuvor in die Operationen auflösen, aus denen sie ent-
standen sind, wir müssen vom „Unum“ zur „unio“, vom‘ „Totum“
zur „totatio“ zurückgehen.®) Am reinsten und fruchtbarsten be-
währt sich diese Vorschrift gegenüber dem Begriff der Substanz.
Wenn diese in der Aristotelischen Definition als das letzte „Sub-
jekt“ bezeichnet wird, auf das alle Aussagen sich beziehen, ohne
dass es selbst wieder zum Prädikat einer Aussage werden könne,
so sehen wir nunmehr, dass damit ein sprachlicher und gram-
matischer Gesichtspunkt zur Norm und zum Untergrund der
realen empirischen Wissenschaft gemacht wird. Der Grundgegen-
satz, an den Aristoteles seine Physik wie seine Metaphysik an-
knüpft, löst sich für die genauere Betrachtung und Zergliederung
in die triviale Unterscheidung des Substantivums und Adjectivums
auf.%) Damit schon hat Geulincx einen entscheidenden Gesichts-
punkt gefunden, unter dem er nurmehr die Kritik an der ge-
zamten scholastischen Kategorienlehre durchführen kann. Es ist
die Sprache, ihre Eigentümlichkeit und ihre Forderungen, deren
Leitung sich Aristoteles in der Entdeckung der einzelnen Grund-
begriffe überlässt. Die Einteilung, die Ordnung und Zahl dieser
Begriffe erklärt sich, sobald man ihren grammatischen Ur-
sprung erkannt, sobald man in ihnen Abstraktionen aus dem
einfachen Satze und seinen Grundbestandteilen wiedergefunden
hat.”) Damit aber verschärft sich der bisherige Einwand; denn
nicht nur werden hier Beziehungen und Setzungen des Denkens
zu Eigenschaften an sich bestehender Dinge umgedeutet; es wird
auch das Denken selbst nicht in seiner unmittelbaren Betätigung,
sondern getrübt durch ein fremdes Medium ergriffen, Man ziehe
diese äusseren Zutaten, die von der gemeinen, durch keine Wissen-
schaft kontrollierten Vorstellung stammen, ab und die gesamte
Peripatetische Metaphysik muss in sich selber zusammenfallen.
An diesem Punkte, an dem der kritische Gedanke des Geu-
linex zu seiner Vollendung gelangt, gilt es indes zugleich die