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Zweiundzwanzigstes Buch.
Zusammenhang zwischen dem kategorischen Imperativ des
Philosophen und der Moralauffassung der Klassiker herstellen,
als beide auf strengstem Dienste an der Wahrheit beruhten —
nur daß diese von den Klassikern mehr dem Verständnisse des
augenblicklichen psychischen Bildungsganges der Nation, von
dem Philosophen mehr der Betrachtung eines allgemeineren
Verlaufes der Welt entnommen wurde — und als die Dichter,
unter Zulassung der tatsächlichen und praktischen Forderungen
Kantscher Moral, dennoch Raum behielten für die Entfaltungs—
möglichkeiten des Genius.
Noch weniger als auf dem Gebiete der Ethik hat Schiller
in den letzten und höchsten Forderungen seiner Asthetik un⸗
mittelbare Berührung mit Kant, so sehr er diese Forderungen
auch in einer Art von Analogieschlußkette zu erkenntnis—
theoretischen Schlußweisen Kants zu entwickeln scheint. Viel—
mehr stimmt Schiller letzlich fast völlig mit Goethe zusammen
und steht gewiß mit unter dessen Einfluß.
Schiller zog auf diesem Gebiete seine Schlußergebnisse
auf einer Grundlage, die aufs breiteste in der Psychologie und
Asthetik der frühsubjektivistischen Perioden verankert war. Die
Seele, von der er ausging, war die allseitig selbsttätige,
welche die Psychologie der Empfindsamkeit und des Sturmes
und Dranges seit Creutz (1754) gefordert hatte; und inner—
halb der Wechselwirkung ihrer Vermögen nahm der Dichter
mit Tetens eine anregende Wirkung vor allem des Gefühls,
des „Herzens“, auf die anderen Vermögen an. Nicht minder
war der Geschmack, den Schiller kannte, der, den schon Baum⸗
garten gepredigt hatte: eine gehobene, durch Harmonie⸗
vorstellungen veredelte Sinnlichkeit. Und eben in diesem Be—
griffe lag zugleich die Verknüpfung mit der Ethik. Da hatte
aber ebenfalls schon Mendelssohn den Satz ausgesprochen,
daß die Kunst die Lehren der Wahrheit in das Gewand der
Schönheit kleiden musse, um sie ganz wirksam zu machen. Und
war diese Auffassung noch rationalistisch genug gewesen, so
hatte sie doch Sulzer bereits zu dem Satze weiter gebildet,
attliche Bildung gedeihe erst recht auf ästhetischem Boden,