Neue Weltanschauung. 305
sprach, wenn man die Natur zum Ausdrucke einer Gedanken—
tätigkeit machte, die unserem logischen Denken entsprechend er—
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Annahme vielmehr auf einem unzerstörbaren Ankergrund wissen—
schaftlichen Denkens befestigt.
Indem nun auf diese Weise dem logischen Denken eine
Stellung angewiesen war, von der aus es als geeignet be—
trachtet wurde, aus sich heraus die ganze Welt der Er—
scheinungen deduktiv zu entwickeln — das ist der Inhalt der
philosophischen Systeme von Cartesius bis auf Wolff —, er—
hellte von vornherein, daß auch allein von ihm her das mensch—
liche Seelenleben als begreifbar angesehen wurde. Dies um
so mehr, als der jetzt eintretenden primitiv wissenschaftlichen
Betrachtung des Seelenlebens unter allen inneren Erlebnissen
zunächst die logische Tätigkeit als die scheinbar einfachste,
klarste, ja als diejenige Tätigkeit erschien, in der alle übrigen
aufgingen. So hat noch Wolff Gefühle, Gemütsbewegungen,
Willensakte als Arten logischen Denkens definiert, indem er
das spätere Nachdenken über diese Vorgänge, das uns zumeist
klarer ist, als diese selbst, mit ihnen verwechselte. Daß auf
diese Weise die gesamte Psychologie, bisher vom naturphilo—
sophischen Standpunkte aus betrieben, in eine rein meta—
physische Beleuchtung geriet und damit abhängig wurde von
den Weltanschauungssystemen eines Descartes, Spinoza, Leib⸗
niz, Wolff, das sah man nicht: so wenig, wie sich noch heute
die Psychologie des täglichen Lebens ihres metaphysischen
Untergrundes bewußt ist, obwohl sie fern dem Kantschen
Phänomenalismus noch ruhig den parallelen Verlauf logischen
Denkens und äußerer Erscheinungsvorgänge als Tatsache hin—
nimmt.
Indem aber nun die denkhafte Auffassung des Seelen—
lebens eingetreten war und damit die psychischen Vorgänge
1Man findet freilich schon bei Wolff die Zweiteilung der Seelen—
kräfte in eine obere und eine untere Stufe. Allein da es möglich ist, die
untere Stufe von der oberen abzuleiten, so besteht in Wahrheit bei Wolff
doch nur diese obere, die der Vernunft.