Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Nene Dichtung. 
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auf den für ihn allein atmnenden Boden bewegten Seins. Da 
lebt die Freude ungestümer durch die Gebeine hin, da, taut 
der Morgen daher; und die menschliche Seele wähnt leere 
Tage zu Nächten, indem sie liebesehnend Zärtlichkeit weint. 
Ein pathetischer Zug geht mit alledem durch die erhabene 
Form der Oden, und tausenderlei Mittel steigern diesen Ein— 
druck: die häufige Verwendung von Komparativen an Stelle 
der Positive, der meisterhafte Gebrauch der Anaphora, der 
majestätische Gang endloser, oft über mehrere Strophen er— 
streckter Satzgebilde, die Einfügung langer Vergleiche, in deren 
Verlauf die Sprache sich fast knirschend ihrem selbstherrlichen 
Zügler fügt, und nicht zum geringsten die Wiederholung der 
bezeichnendsten Worte, ja ganzer bezeichnender Satzteile, deren 
Eindruck auf den Hörer der Wirkung kirchlicher Litaneien 
gleichkommt. 
Das Pathos, das auf diese Weise erreicht wird, ist im 
ausgesprochensten Falle das Pathos melancholischer Narkose. 
Und eben dies ist es, was erreicht werden soll: trunkene, 
traumhafte Seligkeit des Empfindens. Und hat uns der Dichter 
an diesem Kelche nippen lassen, dann führt er hinüber in 
die Gebiete der Verstiegenheit, des süßen Schauers, des stillen 
Stammelns. Kaum schallet jetzt 
der Cherubim Harfe noch, sie bebt; 
Kaum tönet ihre Stimme noch, sie zittert, sie zittert. 
Worauf die religiös-pietistische Ekstase hervorbricht zu ihrer 
Zeit: 
Ihr Wellen, donnert, 
Und du, der Posaunen Chor, hallest 
Nie es ganz: Gott — nie es ganz: Gott, 
Bott, Gaft ist es, den ihr vreift! 
Es ist für Klopstock die höchste aller dichterischen, ja eine 
uͤberdichterische Wirkung. Und es ist eine Wirkung, die nicht 
bloß auf religiösem Gebiete eintritt. Auch der vollste Zustand 
höchster irdischer Seligkeit, der Liebe, ist nur so hoher Ver— 
zückung erreichbar.
	        
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