Nene Dichtung.
429
werden so, mit vertreibendem Pinsel gleichsam, umhaucht. So
der verklärte Adam:
ein schwebender Leib, aus Heitre gebildet,
Hüllte den seligen Geist in eine verklärtere Wohnung.
Seine Gestalt war so schön, wie du vor des Schöpfers Gedanken,
Göttliches Bild, da er Adam zu schaffen gedankenvoll dastand,
Und im gesegneten Schoße des lebenduftenden Edens
Unter ihm heiliges Land zum werdenden Menschen sich losriß.
Und selbst die Natur, diese festumrissene, ewig wohl—
umschränkte, sie unterliegt dieser Verflüchtigung des Anschau—
lichen, diesem „überschleiern“, wie Klopstock selber es ausdrückt.
Nicht als ob der Dichter nicht anderer Darstellung fähig ge—
wesen wäre. Wie deutlich schildert er den Eingang zur Grab—
stätte der Toten, die auf den erstandenen Heiland harren:
Unten am mitternächtlichem Berge waren die Gräber
In zusammengebirgte zerrüttete Felsen gehauen.
Dicke, finsterverwachsene Wälder verwahrten den Eingang
Vor des fliehenden Wanderers Blick. Ein trauriger Morgen
Stieg, wenn der Mittag schon sich über Jerusalem senkte,
In die Gräber noch dämmernd mit kühlem Schauer hinunter.
Und wie weiß er in der Frühlingsfeier, der berühmten
Ode des Jahres 1759, das Gewitter zu malen:
Und die Gewitterwinde? Sie tragen den Donner!
Wie sie rauschen! Wie sie mit lauter Woge den Wald durchströmen!
Und nun schweigen sie. Langsam wandelt
Die schwarze Wolke.
Seht ihr den neuen Zeugen des Nahen, den fliegenden Strahl?
Hört ihr hoch in der Wolke den Donner des Herrn?
Er ruft Jehova! Jehova!
Und der geschmetterte Wald dampft!
Aber nicht unsre Hütte!
Unser Vater gebot
Seinem Verderber,
Vor unsrer Hütte vorüberzugehen!
Ach, schon rauscht, schon rauscht
Himmel und Erde vom gnädigen Regen!
Nun ist, wie dürstete sie! die Erd' erquickt,
Und der Himmel der Segensfüll' entlastet“