Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
„Mais voilà encore un Goœtz de Berlichingen qui parast 
zur la scène, imitation détestable de ces mauvaises pièces 
anglaises; et le parterre applaudit et demande avec 
anthousiasme la répétition de ces dégootantes platitudes.“ 
Dem „Götz“ folgten 1774 Lenzens „Hofmeister“ und 1775 
Klingers „Otto“; dem Jahre 1776 gehören an Goethes 
Stella“, Lenzens „Soldaten“, Klingers „Zwillinge“ sowie 
„Sturm und Drang“, das Drama, nach dem die Periode den 
Namen erhielt, ferner Maler Müllers „Situation aus Fausts 
Leben“, Leisewitzens „Julius von Tarent“ und Wagners 
„Kindesmörderin“; das Jahr 1778 brachte „Fausts Leben“ vom 
Maler Müller; und im neunten Jahrzehnt wurde die Bewegung 
der Hauptsache nach von Schiller mit den „Räubern“ (1781), 
Fiesco“ (1783) und „Kabale und Liebe“ (1784) geschlossen. 
Es ist im Zusammenhange unserer Erzählung nicht die 
Aufgabe, dem Glück und Unglück wie den literarischen Ver— 
diensten all dieser Dramen im einzelnen nachzugehen. Die 
diteraturgeschichte mag von Gerstenbergs „Ugolino“, der schon 
1768, vor der allgemeinen Bewegung des Sturmes und Dranges 
erschien, mitteilen, daß es im Grunde das schauderhafteste Stück 
dieser Bewegung sei; sie mag an Leisewitzens „Julius von 
Tarent“ die Klarheit der Komposition und die Milde und Weich— 
heit der Sprache rühmen und in ihm das Vorbild des Schillerschen 
„Don Carlos“ erkennen; sie mag endlich finden, daß in Klingers 
„Zwillingen“ dasjenige Stück vorliege, in dem Shakespearesche 
Charakterzeichnung, Malerei der Leidenschaft, psychologisches 
Detail und tragische Stimmung mit einer konzentrischen Form 
der Komposition am glücklichsten vereinigt sind. Uns fesselt 
hier vor allem die Frage, inwieweit die Dramen des Sturmes 
und Dranges der Seele und der Weltanschauung ihrer Zeit Aus— 
druck gaben; und wir werden sie am besten an den Schöpfungen 
Goethes, die am entschiedensten das Herz, und Schillers, die 
am reifsten den Verstand und die Anschauung der Zeit vergegen⸗— 
wärtigen, kennen lernen. 
Verfolgt man zunächst die Entwicklung der Weltanschauung, 
der Schicksalsidee, so muß man sich in diesen Zeiten verworrenen
	        
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