Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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Welch ein Sprung aber gleichwohl noch von hier bis zur 
Sprache Klopstocks, des mitteldeutschen Sängers, die ganze 
Gruppen neuer Empfindungen malte und ganze Register neuer 
Gefühle tönen ließ, bis zur Sprache Lessings, in der auf der 
Grundlage obersächsischen und Berliner Dialekts reinstes Sprach— 
gefühl und ernste Bildung an der Antike wie an Frankreich zu 
einer neuen Prosa zusammenschossen, bis zu den ersten großen 
Werken Goethes, lin denen aus Frankfurter Wurzel deutlich 
ein wunderbar persönliches Deutsch aufsproßte, und zu jenen 
Dramen des jungen Schiller, die von schwäbisch-volkstümlichen 
Bildern und Wendungen strotzten! Man sieht es wohl: in der 
Zwischenzeit war die deutsche Gedankenwelt reicher, vor allem 
aber die deutsche Kunst um ein Unendliches ausdrucksfähiger 
geworden, hatte ein neuer Naturalismus eindringlicher Schärfe 
sich in Wort und Satz neue Werkzeuge geschaffen. Und die 
Bestrebungen dieser ganzen Zeit, der Sprache selbst einverleibt, 
erwiesen sich als bisher unsterblich. Denn in ihren wesent⸗ 
lichsten Zügen dauern sie in der Sprache noch des heutigen 
Tages fort, zum Zeichen, daß es sich in Empfindsamkeit wie 
Sturm und Drang um durchaus schon subjektivistische und zu⸗ 
gleich im Innersten durchaus nationale Entwicklung handelte. 
Allein auch insofern sie dichterische Strömungen bedeuteten, 
waren beide Perioden mit 1775 und 17885 noch keineswegs 
abgetan. Sie begannen jetzt nur Unterströmungen zu werden, 
während der Klassizismus der weimarischen Zeiten langsam 
über ihnen als ihre höhere Vollendung emportauchte. Und so 
dauerte denn auch die Literatur der Empfindsamkeit wie des 
Sturmes und Dranges noch immer fort, um teilweise, hier 
und da, ja sogar in ganzen Landschaften, wie z. B. in Schwaben, 
unmittelbar in das spätere Schrifttum der Romantik und nicht 
einmal immer nur der Frühromantik überzugehen. Und auch 
an treffenden, selbst recht bedeutenden dichterischen Erscheinungen 
innerhalb dieses Verlaufes fehlte es nicht. So ist Wieland 
von seraphischer Empfindsamkeit und süßer Schwärmerei, wenn 
auch in seiner quecksilbrigen Art ständig schwankend, unmittel⸗ 
har zur Romantik fortgeschritten, ohne je sentimentale Elemente
	        
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