Neue Dichtung.
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Das war die Frau, die an Goethe das Wunder voll⸗
brachte, ihn in höchster Entwicklungszeit noch, ungewollt und
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mals ganz hinzugeben; er beherrschte, ja er beobachtete sich
selbst im höchsten Affekt: das ist der tiefste Untergrund seiner
Dichtung. Es war eine insofern für den Dichter tragische
Eigenschaft, als sie ihm jede Leidenschaft, namentlich zu Frauen,
hinnen kurzem rationalisierte und damit schal machte; war die
Höhe des Affekts erreicht, so überwog die anschauliche Kraft
in ihm; er zog sich zurück und er bereute. Die Unsumme
seiner Liebschaften, sein ewiges Glück und Unglück, erklärt sich
so. Frau von Stein aber fesselte ihn, hielt ihn ohne jede
Frauenkunst fest durch mehr als ein Jahrzehnt und entwich
auch später niemals der Sphäre seiner Verehrung. Welche
Summe von Eigenschaften der Geliebten und welche Fähigkeit
maginativer Umbildung des Charakters dieser Geliebten beim
Dichter gehörten unter diesen Umständen dazu, diese einzige
Wirkung hervorzubringen! Goethe kam sich vor, als hätte er
seit unvordenklichen Zeiten schon mit ihr zusammengelebt, als
wäre er von Anbeginn ein Erzeugnis ihrer Erziehung:
Kanntest jeden Zug in meinem Wesen,
Spähtest, wie die reinste Nerve klingt,
Konntest mich mit einem Blicke lesen,
Den so schwer ein menschlich Aug' durchdringt.
Tropftest Mäßigung dem heißen Blute,
Richtetest den wilden irren Lauf,
Und in deinen Engelsarmen ruhte
Die zerstörte Brust sich wieder auf.
Es war die Erziehung zugleich zu einer neuen, höheren
Dichtung: 1776 taucht die Idee der „Iphigenie“ auf, 1777 wird
„Wilhelm Meister“ angefangen, 1778 ,Egmont“ nach veränderten
Gesichtspunkten weiter bearbeitet, 1780 „Tasso“ begonnen.
Dann freilich — stockt die Arbeit. Es mochte sein, daß
die vermehrte Tätigkeit im Amte den Dichter beeinträchtigte.
Aber es war mehr. Auch der Mensch begann zu leiden. Die
Ursachen dieser Wandlung sind zahlreich: der Herzog wurde
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