Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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seiner geistigen Umgebung war das Schicksal fast nur in Um— 
setzung in äußere Handlungen erschienen. Dann hatte eine 
entwickeltere Zeit eine Schicksalsidee entfaltet, die auch noch 
vornehmlich auf äußeres, doch innerlich motiviertes Handeln 
hinauslief. Jetzt sollte sich das Schicksal selbst der Hauptsache 
nach in seelischen Bewegungen abspielen: und indem auf diese 
Weise das Schicksal mit dem vollen Erringen einer neuen 
Intensität des Seelenlebens und mit dem Empordringen eines 
feiner abschattierten Sittenkodex weiter verinnerlicht wurde, ent⸗ 
stand aus dem Handlungsschauspiel das psychologische Drama. 
Natürlich veränderte sich damit schon der äußere Anblick 
der dramatischen Kunst. Der Dichter, der das Drama auf 
Handlung begründet, bedarf eines Stoffes, einer Fabel, die 
stark vorwärtsdrängende Leidenschaften entfesselt und, zumeist 
auch durch Aufwendung vieler Personen, lärmende äußere Be⸗ 
wegung verursacht. Der Dichter des psychologischen Dramas 
wird eine Fabel mit möglichst einfacher Handlung vorziehen, in 
der nicht allzuviele Personen sich auf engem Raume in Gegen⸗ 
sätzen von möglichst vertiefter Darstellung zusammenfinden. 
Auch die Schicksalsidee wandelt sich natürlich ab. Sie 
muß nun durchaus immanent gefaßt werden, sie beruht nur 
noch in der „entschiedenen Natur des Menschen, die sich in 
gegebenen oder geforderten Umständen, die das Schicksal vor⸗ 
stellen, auslebt“. Dabei wird das Schicksal der Regel nach 
durch ein einziges Ereignis in Bewegung gesetzt, worauf sich 
alles gleichsam von selbst vollzieht; im „Egmont“ ist dies Er— 
eignis Albas Ankunft, in der „Iphigenie“ das Erscheinen 
Drests, im „Tasso“ die Krönung des Dichters — wonach kaum 
noch gesagt zu werden braucht, daß von diesen drei Dramen 
der „Tasso“ das innerlichste, in sich vollendetste ist. Den Aus⸗ 
gang aber der dramatischen Fabel bildet dann entweder Re— 
signation, Sichbescheiden gegenüber dem ersten ausgreifenden 
Streben, oder Sieg, oder aber, im Sinne einer Katastrophe, 
innerlicher Zusammenbruch der Lebenskraft. 
Für die Form des psychologischen Dramas endlich gilt, 
daß fie bei ihrer inneren Geschlossenheit und der notwendiger—
	        
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