Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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airgends ist das Ziel des Lebens erkennbar. Jahre wild hin— 
geworfener Dichtungen folgten, allmählich überwog in ihnen das 
düsterne die Kraft: eine „unbändige Imagination“ gestattete 
dem Behagen an schlüpfrigen Bildern Zutritt, ohne daß es von 
„platonischem Schwulste“ noch maskiert wurde; gut noch, wenn 
die Laura-Oden mehr „das Erzeugnis eines dem Dichter bisher 
unbekannten, exaltierten Gefühls als wahre Leidenschaft“ 
waren. Dennoch litt der unverwüstliche ideale Kern im Wesen 
Schillers keinen Schaden; mitten in dem Wuste von Sinnen⸗ 
taumel und Torheit erlebten die „Räuber“ ihre Vollendung. 
Im Jahre 1781 ließ Schiller die „Räuber“ auf seine 
Kosten drucken. Es war der Anfang seiner Schulden — jener 
unglückseligen Schulden, die ihn durch sein ganzes Leben fast 
zis an dessen letzte Pforten begleitet haben. 
Anfang 1782 erklärte sich Schiller mit der Aufführung 
der „Räuber“ in Mannheim einverstanden — ohne Vorwissen 
des Herzogs. Dazu fuhr er nach Mannheim — ohne Urlaub. 
Nach der Aufführung der „Räuber“ begann er am „Fiesco“ 
zu arbeiten, ohne auf das Verlangen des Herzogs Rücksicht 
zu nehmen, daß er vorher seine medizinische Promotion durch⸗ 
führe, die immer noch ausstand: vielmehr fuhr er noch ein 
zweites Mal nach Mannheim zu einer Aufführung der „Räuber“ 
— wieder ohne Urlaub. Als ihn darauf der Herzog auf vier⸗ 
zehn Tage in Arrest schickte und ihm jeden weiteren Verkehr 
mit dem „Auslande“ verbot, sollen ihm die ersten Gestalten 
bon „Kabale und Liebe“ aufgestiegen sein; als ihm der Herzog, 
nach weiterem Anstoß, bei Strafe der Kassation verbot, noch 
mehr Komödien zu schreiben — floh er. 
Inzwischen hatten die „Räuber“ ungeheures Aufsehen 
gemacht; an den besten Bühnen waren sie aufgeführt worden; 
m Oktober 1784 wurden sie, mit Erlaubnis des Herzogs, 
auch in dessen Stuttgarter Theater gegeben. 
Schiller ging nach Mannheim, an den Ort des ersten 
Glückes seines Dramas. Aber er konnte sich nicht halten; der 
Intendant Dalberg bot keine Unterstützung, dazu vermutete der 
dichter Nachstellungen seines Herzogs. So floh er weiter nach
	        
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