Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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stein‘ ruht“: „sein Lager nur erkläret sein Verbrechen.“ Wenn 
aber anderseits im Prolog ausgesprochen wird, daß die Dichtung 
die größere Hälfte der Schuld des Helden den unglückseligen 
Gestirnen zuwälze, so erscheint das Schicksal doch weit um— 
fassender: als das dunkle Walten einer Notwendigkeit in, viel⸗ 
leicht uber den Dingen. Das ist die Notwendigkeit, welche die 
Tat des Helden aus seinem Charakter, aus der Vorgeschichte 
und aus dem dadurch geschaffenen Drucke der Verhältnisse 
hervortreibt, welche schließlich in einer unentwirrbaren Kausalität 
den Untergang herbeiführt“. Diese „finstere Macht, die keines 
Menschen Kunst vertraulich macht“ — ist sie nun eine sittliche 
Idee? 
Ihr gegenüber stehen die Gestalten, vor allem Wallen— 
stein. Es scheint, daß er frei ist: „In deiner Brust sind 
deines Schicksals Sterne!“ Und auch sein astrologischer Glaube 
macht ihn nicht unfrei, denn er ist Ausfluß seines Wesens. 
Gilt also für ihn die empirische Freiheit Kants? Und über 
ihr als Schicksalsmacht Kants ethischer Transzendentismus? 
Schiller hat im Jahre 1796 etwa als proton pseudos 
des Stückes gefunden, daß „das Schicksal noch zu wenig und 
der eigene Fehler noch zu viel zu Wallensteins Unglück tue“. 
Er neigte also, wie er auch das Problem der menschlichen 
Freiheit dramatisch zu lösen suchte, einem stärkeren Determi⸗— 
aismus zu. Es war der Punkt, in dem er an die Alten an⸗ 
knüpfte, und von wo aus er von ihnen beeinflußt wurde; 
gleichzeitig mit den zitierten Worten hat er antike Tragiker, 
—0 
höre man, aus dem Herbst 1797, folgendes merkwürdige Be— 
kenntnis an Goethe: „Der Ödipus ist gleichsam nur eine 
tragische Analysis. Alles ist schon da, und es wird nur heraus— 
gewickelt. Das kann in der einfachsten Handlung und in einem 
sehr kleinen Zeitmoment geschehen, wenn die Begebenheiten 
auch noch so kompliziert und von Umständen abhängig waren. 
S. Kettner, Einleitung zur Ausgabe des dramat. Nachlasses. 
(Schillers Werke. Cottasche Jubil.-Ausg. VIII. S. IXX.)
	        
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