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Zweiundzwanzigstes Buch.
Determinismus ging, zeigen vor allem die herrlichen Bruch—
stücke des „Demetrius“, über dessen Vollendung Schiller im
Jahre 18085 gestorben ist: hier schafft eine „unregiersam stärkre
Götterhand“ die erste Verknüpfung der Ereignisse, und diese
wirkt in grausamer Folgerichtigkeit weiter bis zur Vernichtung.
Die deterministische Weltanschauung Schillers hat Nach—
ahmung gefunden. Die ersten Zeiten des neuen Jahrhunderts
sind erfüllt von der sogenannten Schicksalstragödie, in der die
unverhüllte Anwendung des fatalistischen Prinzips, des Fußens
in einer ehrwürdigen Mythologie beraubt, zu einem Zufalls⸗
glauben schlimmer Art führte und in eine Art von transzendentem
Fetischismus auslief. Aus diesem Prinzipe heraus hat schon
Zacharias Werner (17608 5 1828) geschaffen; in seinem „Vier—
undzwanzigsten Februar“ setzt das Schicksal außer diesem
Kalendertag noch eine Sense und ein Messer als fatalistische
Werkzeuge in Bewegung. Offenbarte sich dabei in Werner
noch eine große, wenn auch zügellose und schließlich in geschmack⸗
lose Phantastik versinkende Kraft, die gelegentlich über das
Bedenkliche der tieferen Anlage hinwegzureißen wußte, so trat
das Prinzip nackt und nüchtern bei Müllner (1771 -1829)
hervor. Sein „Neunundzwanzigster Februar“ ist durch Werners
„Vierundzwanzigsten“ veranlaßt worden und steht, wie leicht
zu erwarten, in der Anwendung der Schicksalsidee selbst noch
unter diesem; andere Dramen, wie die „Schuld“, bieten nicht
oiel Besseres, so sorgfältig in ihnen Sprache und Technik
gehandhabt wird. Als Dritter endlich ist in diesem Zusammen⸗
hange der Freiherr von Houwaldt (1778 —1845) zu nennen
mit seinen vornehmlich in den zwanziger Jahren erschienenen
Stücken, von denen der „Leuchtturm“ wenigstens eine wahre
Schicksalstragödie ist, so schwer es auch dem rührseligen und
weichen Dichter wird, die vollen Folgen des leitenden Prin—
zipes zuzulassen.
An den Schluß dieser ganzen Reihe aber kann man Grill—⸗
parzers „Ahnfrau“ stellen. Denn in ihr ist die Grundidee
zweifellos noch fatalistisch im Sinne der Schicksalstragödie:
und wenn der Stoff der modernen Auffassung gleichwohl noch