Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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fassen, daß sich das deutsche Theater in einer Schlußepoche 
hefinde, wo eine allgemeine Bildung dergestalt verbreitet sei, 
daß sie keinem einzelnen Orte mehr angehören, von keinem be⸗— 
sonderen Punkte mehr ausgehen könne. Und was dabei Publikum 
und Dichter zusammengeführt hatte, war am Ende doch die 
allgemeine Haltung des Idealismus gewesen, die sittliche Über⸗ 
zeugung, daß es Schöneres nicht gebe, als zu Idealen eines 
hohen Lebens ausgeweihte Gestalten unter dem Walten eines 
sittlichen Determinismus, als „in der schönen Form die schöne 
Seele“. In dieser Form hat denn auch das Andenken Schillers 
namentlich fortgelebt: es sind nicht so sehr die Dichtungen an 
sich gewesen, die spätere Geschlechter immer und immer wieder 
anzogen, als vielmehr die energische sittliche Persönlichkeit, die 
hinter diesen Dichtungen stand, der idealistische, gleichsam schon 
erdentrückte Charakter, der auch da durchleuchtete, wo die 
dramatische Problemstellung vielleicht nicht in dem reinsten Feuer 
des vollendeten Diamanten strahlte. Ja, als Persönlichkeit vor 
allem lebt Schiller noch heute fort und wird er der Nation 
fortleben vor allem in Zeiten politischer Katastrophen und all— 
mählicher Übergänge zu höherer seelischer Reife: dann, wenn 
tiefere Sehnsuchten auftauchen und weitere Lebenswahrheiten 
gesucht werden.
	        
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