BRildende Kunst und Musik.
1. In unserer Zeit wird von manchen Seiten für die
bildenden Künste ein Gesamtkunstwerk erstrebt, ein Gegenstück
zleichsam zu dem Gesamtkunstwerk der darstellenden Künste,
das zu schaffen oder durch sein Schaffen wenigstens vorzubereiten
der Lebenswunsch Richard Wagners gewesen ist. Es ist eine
Neigung, die durch die tiefsten seelischen Strömungen unseres
Zeitalters bedingt ist. Hohe Kulturen, die sich nach der Natur
zurücksehnen, vermögen diese Sehnsucht zu verwirklichen nur
durch bewußte Umgestaltung ihres Inhalts im Sinne der
Einfachheit primitiver Kulturen: da aber in allen Urzeiten
rine organische Einheit aller Künste galt — da in ihnen Tanz
und Gesang und Dichtung und dramatische Aufführung, sowie
sogar plastische und malerische Darstellung zusammenfielen —,
so liegt es auf der Hand, daß ein solches bewußtes Streben
nach natürlicher Einfachheit, nach Jugend und Lenzesfrische,
auf künstlerischem Gebiete zur Idee des Gesamtkunstwerks führen
muß. In den bildenden Künsten wird darum Einheit von
Architektur und Malerei und Bildnerei, Malerei und Bildnerei
dabei einem zu erhoffenden großen architektonischen Stile unter—
zeordnet, zur eigentlichen Losung.
Es liegt aber auch in der sich in gewissem Sinne ewig
wiederholenden Natur der Dinge, daß solche Zeiten, in denen
die Einheit des Gesamtkunstwerks schon einmal, wenn auch
aus anderen Tendenzen her verwirklicht zu sein schien, nun