Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
— 
Im Mittelalter und in den Aufangszeiten der Renaissance 
war die deutsche Kunst noch eng mit dem Handwerk verflochten 
gewesen. Sie war demgemäß Kundenarbeit; das Publikum 
hestimmte zum guten Teile den Inhalt und auch die Form 
der Kunstwerke; nur äußerst selten setzte sich ein Maler für 
die Durchführung großer Schöpfungen ein nur ihm eigenes 
Programm, wie das etwa Dürer getan hat; der erste deutsche 
Meister, der im allgemeinen keine Aufträge mehr erledigte, 
sondern nur noch nach seinen Gedanken schuf, war doch erst 
Rembrandt. So blühte die Kunst an zahllosen Stellen in 
lokalen Schulen; beim Meister lernte der Gesell und das Lehr— 
kind nur das Handwerksmäßige — alles übrige ergab die 
Individualität und die Umwelt der Natur, der öffentlichen 
Kunstmeinung und der Bedürfnisse. Und diese Umwelt war 
zumeist bürgerlich. Darum waren die entstehenden Schulen 
der Regel nach an große Städte geknüpft, und in den Bildern 
reflektierte dieser städtische Charakter vom gegenständlicheren 
Detail der Darstellung an bis hin zur Wiedergabe der bald 
feuchteren, an Widerscheinen reicheren, bald klaren und trockenen 
Luft der see⸗ oder binnenstädtischen Umgebung. Bürgerliche 
Kunst also auf lokalem Boden in handwerklicher Tradition, das 
war die Kunst des späteren Mittelalters und zum großen Teile 
auch noch des 16. Jahrhunderts. 
Aber darauf kam die Renaissance zu voller Entwicklung, 
und unter deren Ausbreitung seit der zweiten Hälfte des 
16. Jahrhunderts begann an Stelle der bürgerlichen eine fürst⸗ 
liche, höfische Kultur zu treten. Die Kunst fing damit an, 
gelehrt zu werden und suchte ihre Stützen am Hofe. Wie aber 
sieß sich nun dieser neue Zustand befriedigend gestalten? 
Die Stellung der Kunst an den romanischen Fürstenhöfen 
wies den Weg. Am römischen Hofe hatte man schon seit 
Nikolaus V., seit der Mitte des 15. Jahrhunderts eine Kunst- 
pflege gehabt, die einen Teil der Methode der späteren Kunst— 
akademien vorwegnahm. Noch mehr war das an dem Hofe 
Franz' J. von Frankreich der Fall gewesen. Das Entscheidende 
war dabei immer, daß man bedeutende Künstler, insbesondere 
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