Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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diesem Zusammenhange hat z. B. Mengs ganz ausgezeichnete 
Bildnisse sowohl in Ol wie in Pastell gemalt, am besten frei⸗ 
lich in seinen jungen Jahren: die Dresdner Galerie, aber auch 
manche italienische Bildersammlung bietet hierfür die präch— 
tigsten Belege. Und nicht minder hat Vogel (1759 —1816), 
der Maler gespreizter Historien und frostiger Allegorien klassi⸗— 
zistischen Stiles, im Bildnis seiner beiden Söhne ein schlagendes 
Beispiel ganz anderer Kunst hinterlassen. Es ist die Erscheinung 
eines Doppelseelentums, die wir von nun ab oft genug bei 
Meistern treffen werden, die der akademischen Kunst angehören 
und im Sinne der Alten schaffen: durch den mühsam erlernten 
Stil der Fremde bricht bei Arbeiten intimer Art, im Bildnis 
vornehmlich und in der Studie, immer wieder die Handschrift 
der eigenen Zeit hindurch und gelangt das lebendig künstlerische 
Auge der Gegenwart zur Wirkung. 
Der bezeichnendste Meister der neuen Bildnismalerei aber 
war der in Dresden lebende Schweizer Anton Graff (1736 bis 
1813). Dabei kommt er sowohl nach der Art wie nach dem 
Umfang seines Werkes an erster Stelle in Betracht; zwölf—⸗ 
hundert Porträts, meinte er einmal selbst im hohen Alter, 
habe er gemalt; und unter den Gemalten befanden sich fast 
alle Berühmtheiten der Zeit, literarische Größen wie Herder 
und Schiller, fürstliche wie Friedrich der Große und sein 
Bruder Heinrich, Gelehrte wie Ramler und Hagedorn, von 
vielen zunächst nur gesellschaftlich und beruflich interessierenden 
Personen zu schweigen. Das aber, was Graff vor allem aus— 
zeichnete, war seine Wahrhaftigkeit. Er wußte nichts mehr 
von der Lehre des Rokokos, daß die Porträtmalerei die Pflicht 
habe, gewisse Fehler der Natur zu verbergen oder zu ver— 
hessern; und er malte seine Auftraggeber nicht mehr in Pose, 
im Staatsgewande, in unwahrer Umgebung. Wie sie leibten 
und lebten vielmehr, losgelöst von den Zufälligkeiten der 
Repräsentanz, nur sie und eben sie allein brachte er auf die 
Ldeinwand, einfach und doch mit vollfter Herzenskündigung. Und 
er erreichte sein Ziel, indem er, soweit es die volle Deutlich— 
keit des Bildes noch eben zuließ, das Licht in den Vorder—
	        
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