Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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und zum Teil auch wirkliche Widerscheine: gelbgrüne, blau— 
grüne, lichtdurchsonnte Blätter; leuchtendes Fleisch mit grünen 
Blattreflexen; und hinter den scharfumrissenen Personen enden 
sie in die weiten Formen einer enthusiastisch wiedergegebenen 
Stimmungslandschaft von tiefem Horizonte. 
Ist es nötig hinzuzufügen, daß Runge in dieser Zeit an— 
scheinend der einzige deutsche Maler gewesen ist, der seine 
Bilder in Farbenskizzen entwarf? Daß wir weiterhin bei ihm 
Klarheit darüber finden, daß es sich beim Schaffen eines Kunst⸗ 
werks nicht um Nachahmung alter Meister, überhaupt nicht 
um Nachahmung und um Wissenschaft und Verstand handle, 
sondern um das schöpferische Nachfühlen lebhaftester Bilder der 
eigenen Phantasie? Von hier aus, von dem durch intensivstes 
Studium der Natur geweckten Gefühl her will Runge ein 
Künstler werden, will er wiedergeben, was ihn bewegt: Licht 
und Farbe und völligstes Leben. 
Runge hat damit alle wesentlichen Entwicklungsgedanken 
der Malerei des 19. Jahrhunderts ahnend vorweggenommen, 
wie er denn auch schon der modernen Ornamentik verwandte 
Formgedanken gehabt hat; in eigenen Schriften hat er sich 
darüber eingehend geäußert. Zudem wuchs ihm zu der Zeit, 
da er in Hamburg behäbiger seßhaft wurde, in seiner Umgebung 
eine Generation empor, die bald geeignet gewesen würde, von 
ihm zu lernen, die Speckter, Oldach, Milde, Morgenstern; und 
auch ein Kunsthistoriker und Theoretiker der neuen Richtung 
schien sich in Rumohr zu finden. Da ist er frühzeitig, 1810, 
gestorben. 
Die Tätigkeit Runges bietet den Beweis dafür, daß ein 
Genie unbeirrt um Modebestrebungen seinen Weg im Zu— 
sammenhange mit den tiefsten Strömungen seines Zeitalters 
zu gehen vermag, Strömungen, die dem bloß wißbegierigen 
und nur talentierten Auge verborgen bleiben. So steht er 
einsam da in der Kunstgeschichte, anscheinend nur auf sich 
selber gegründet. 
Denn die deutsche Malerei war weit davon entfernt, sich 
aus den soeben geschilderten dunkeln und instinktiv erfaßten An— 
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