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Zweiundzwanzigstes Buch.
diesem Falle in die Beachtung der allgemeinsten Forderungen
um, die jener zugrunde lagen: Umriß an erster Stelle, Ver—
einfachung des Umrisses wieder in das allein Große, Farbe
demgemäß nur als Lokalfarbe und zur Eintragung einheitlicher
großer Stimmungsmomente, in demselben Sinne, soweit man
es verstand, Ton und Lichtwirkung: — und darüber hinaus vor
allem Komposition der Landschaft derart, daß sie aus einzelnen,
in der Natur beobachteten Requisiten, Bäumen, Bergen,
Kulissen, zu etwas Neuem, nur in der Phantasie Bestehendem
zusammengesetzt werde: das war die Lehre.
All diese Einzelheiten aber sollten nun nicht bloß zusammen—⸗
zebracht werden; sie sollten auch leben. Und nicht durch
Wiedergabe der unbewußten Pulse des Lichtes, die durch die
Erscheinungswelt gehen. Die waren ausgetrieben, soweit man
sich ihrer Beherrschung überhaupt zu nähern verstand. Hier
setzte jetzt vielnehr die Idee ein. Eine Landschaft sollte im
Dienst einer höheren, dichterischen Idee stehen; es sollten in
ihr „sittliche und leidenschaftliche Gegenstände mit den Szenen
der Natur“ verbunden werden, so hatte schon Sulzer gelehrt,
so forderte noch einseitiger Fernow. Mit anderen Worten:
Komposition und Einzeldurchführung sollten getragen sein durch
ein ihnen einverleibtes, aus ihnen sprechendes Moment subjektiv⸗
menschlichen Empfindens. Das war nun an sich eine einfache
Forderung des Subjektivismus; sie hat sich daher im 19. Jahr—
hundert immer wieder erneut. Allein der Naturalismus be—
friedigt sie, indem er die Landschaft objektiv so darstellt, daß sie
in uns diejenigen Stimmungen erregt, welche durch eben jene
Landschaft objektiv erregt werden würden, die der Darstellung
zugrunde liegt. Im Naturalismus erscheint also das subjektive
Moment der Landschaft mehr innerlich eingeschrieben, ist ihr
immanent; im Idealismus dagegen ist es ihr als Idee mehr
äußerlich aufgelegt, und häufig genug bleibt diese sozusagen
transzendent.
Der Antike speziell aber suchte man eine Landschaft von
dieser Art noch dadurch anzunähern, daß man ihre Vorwürfe
mit Vorliebe den Mittelmeerländern, Italien und auch Griechen—