Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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land entnahm. Und es geschah das, indem man anfangs 
zwischen den antikisch stilisierten Landschaften, die sich schon 
bei Carstens finden, und der ziemlich schwunghaft betriebenen 
deutsch-italienischen Vedutenmalerei vermittelte. Von diesem 
Ausgangspunkte her etwa entwickelte sich der erste große Meister 
der neuen Kunst, ein Schüler von Carstens, Josef Anton Koch 
(1768 -1839). Koch war Tiroler; in Rom lebend, das ihm 
zur zweiten Heimat geworden war, erhielt er sich doch viel 
don der herben Frische des Gebirgskindes. Indem er aber, 
wie Carstens, unmittelbar aus einer überaus glücklichen Er— 
innerungsgabe heraus schuf, gelangte er von selbst aufs Abkürzen 
und Zusammenfassen, und damit wiederum auf die Betonung 
des viel leichter zu behaltenden Umrisses und auf die Vernach— 
lässigung der Farbe, sowie zu einem fast gänzlichen Übersehen 
des Lichtes, von dem nur kindliche Behandlungsversuche zeugen. 
In der idealistischen Wiedergabe der körperlichen Formenwelt 
dagegen ist er wahrhaft Meister; und seine Auffassung der 
landschaftlichen Umgebung Roms, der poesievollen Wustenei 
der Campagna, vor allem aber der edlen Linien der Sabiner⸗ 
und Albanerberge beherrscht noch heute die Kraft unserer Ein— 
bildung. 
Hatte dabei Koch seine Landschaften vornehmlich zum 
Schauplatz für Götter- und Heldengestalten gemacht und dem⸗ 
gemäß gleichsam mythisch und heroisch behandelt, während das 
Historische und das Idyllische, das menschlich Weite und das 
menschlich Begrenzte mehr zurücktraten, so ging Rottmann (1798 
his 1850) eben auf diesem Wege weiter: er vor allem ist 
daher zum Meister der sogenannten historisch-klassizistischen 
Landschaft geworden. Seine Gemälde sollen den idealen Typ 
gewisser Gegenden derart zum Ausdruck bringen, daß sie als 
harmonischer Schauplatz gewisser heroischer, vor allem aber 
historischer Ereignisse erscheinen, die sich auf ihrem Boden ab— 
gespielt haben oder abgespielt haben könnten: so daß diese 
Gegenden für den menschlichen Inhalt gleichsam vorherbestimmt 
erscheinen. Dabei begnügt sich Rottmann gelegentlich nicht 
einmal mit menschlichen oder menschlich gedachten Vorgängen; 
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