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Zweiundzwanzigstes Buch.
auch die Bildungsgeschichte der Erde, vulkanische Umwälzungen
z. B. zieht er in seinen landschaftlichen Idealismus hinein.
Im übrigen ist er nicht mehr in dem Grade, wie Koch, ein
Künstler vornehmlich nur des Umrisses; so sehr er die große
Linie empfindet, so haben doch auch Farbe und Beleuchtung bei
ihm schon Bedeutung, namentlich soweit er in seinen Haupt⸗
werken, den heroischen Landschaften im Münchener Hofgarten
(1829 ff.) und in der Neuen Pinakothek, von der Malerei
al fresco zur Ausführung in Harzfarben auf Zementtafeln
übergeht.
Noch anders erscheint ein letzter großer Vertreter der
heroischen Landschaft, Friedrich Preller, der Farbe befreundet
(1804-1878). Unter den Augen Goethes herangewachsen,
ein eifriger Bewunderer der Renaissancelandschaften Poussins
und Claude Lorrains, Schüler Kochs, hat er in den Jahren
1832 bis 1834 einen frühesten Zyklus von Odysseelandschaften
im Römischen Hause zu Leipzig gemalt: von Anbeginn über—
wog bei ihm gegenüber dem Dramatiker Rottmann die epische
Stimmung. Später kamen dann die Eindrücke von Studien—
reisen nach Rügen und Norwegen hinzu, um ihn, neben seinen
idealistischen Konzeptionen, der realistischen Landschaft zuzu—
führen, ihn Licht und Farbe ganz anders schätzen zu lehren,
als seine Vorgänger, und seinem landschaftlichen Idealismus
zugleich jenen Zusatz des Schöpfungsmäßig-Uranfänglichen und
Nordisch-Düstern zu geben bei aller Formenklarheit des Südens,
der sein Hauptwerk, die Weimarer Odysseelandschaften (Kartons
1858 ff.) auszeichnet. Und auch insofern es sich in diesen
Landschaften um den Ausgleich zwischen der einer heroischen
Landschaft fast unumgänglich notwendigen Staffage und dem
eigentlich Landschaftlichen handelt, bezeichnen diese Bilder einen
Höhe- und Schlußpunkt der Entwicklung. Denn hier hat
die Staffage eine Bedeutung, die das künstlerische und inhalt—
liche Gleichgewicht zum Landschaftlichen herstellt, und beide
Teile sind so aufeinander gestimmt, daß sie inhaltlich voll—
kommen verwachsen erscheinen: wie erhebt sich z. B. in dem
Leukotheabilde die Nymphe aus der aufbrausenden Meereswelle