Bildende Kunst und Musik.
627
gleichsam als ein letzter Bestandteil dieser, und wie bezeichnet
Odysseus im Wogentale zugleich den Tiefpunkt von Schicksal
und anschwellender und hinabsinkender Flut!
Nach Preller haben sein Sohn sowie andere Meister,
Kanoldt, Hummel u. a., noch im alten Sinne fortzuschaffen
—
seinem Schüler Franz Dreber (1822 -1875) gelang es, der
alten Melodie noch einen neuen Vers, einen rein lyrischen,
unterzulegen. Aber Drebers Landschaften gerade der besten
Zeit erinnern stark an die Jugendarbeiten Böcklins: der Grund—
satz der idealistischen Formengebung aus dem Umrisse hatte sich
erschöpft; die moderne idealistische Landschaft, die Landschaft
Böcklins und anderer ist bei allem Formgefühl ihrer Meister
eine Landschaft der Farbe.
b. Verhältnismäßig organisch, und schon insofern ein—
facher und mit der Gewähr fruchtbarerer Dauer vollzog sich
der Übergang der Architektur zum Klassizismus.
Die Baukunst der Renaissance hatte sich im Barock zu
einem massigen, trotz mancher Auflösungen zunächst noch würde—
voll gebundenen, prunkenden Stil entfaltet; am römischen
Petersdom kann man alle ihre Fortschritte verfolgen, bis für
Italien mit der Zeit um 1580 etwa ein Höhepunkt erreicht
ist. Dann begann, deutlicher mit Bernini, seit etwa 1630,
eine Wendung ins Leichtere, Freudigere: bis schließlich, am
vollendetsten auf französischen Boden, eine Auflösung aller
tektonischen Formen ins Dekorative erreicht war und sich damit
gleichzeitig, bei reichster Verzierung, die nüchternste Haltung
des baulichen Gerüstes einstellte. Im ganzen war es ein Her⸗
gang, der hinsichtlich der einzelnen Bauglieder der Vernichtung
der Renaissance nahe kam, hinsichtlich des Baukörpers die
Reduktion aufs einfachste zur Folge hatte!.
Man stand damit im Grunde vor einem unzweifelhaften
Verfall aller der Elemente, welche die bisherige architektonische
S. Bd. VI S. 268 ff.; VII, 1, S. 180 ff., 209 ff.