Bildende Kunst und Musik.
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gestatteten, so wurde der orchestrale Grundklangstoff wenigstens in
den Kammerkonzerten, den Vorläufern der späteren Symphonie—
konzerte, noch ausschließlich vom Geigenchor bestritten; und in
hn mischten sich erst schüchtern je nach Bedürfnis die zarteren
Blasinstrumente, Flöten, Fagotte, Oboen, Hörner. Bedenkt man
aun, daß bei einem nach unseren Begriffen so überaus dünnen
Orchester zugleich auch noch Stimmenreinheit und regelmäßiger
Anschlag viel zu wünschen übrig ließen: so wird man verstehen,
daß, bei aller Entwicklung schon einer selbständigen Instrumental-,
ja selbst Klaviermusik im Verlaufe der späteren Jahrhunderte
des Individualismus, dennoch die menschliche Stimme, und sie
wiederum immer noch zunächst als Klanginstrument, die führende
Rolle behielt.
In diesen Zustand schlugen nun die seelischen Wandlungen
des 18. Jahrhunderts verheerend und auf Grund bisher un—
erhörter Forderungen umgestaltend ein. Was zunächst gesucht
wurde, das war gewiß noch immer der schöne Ton; aber
schön verstanden im Sinne der Beseelung: so kam man von
GBlucks ausdrucksvoller Schönheit zu dem Haydnschen musika—
lischen Schönheitsbegriffe und von ihm zur Mozartschen Höhe
der Kantabilität. Und auch dabei blieb man noch nicht stehen;
mmer gewaltiger hoben sich die Ansprüche, und erst der völlig
beseelte Ton, der Ton nur noch als Ausdruck und Wiedergabe
ganz bestimmter psychischer Erregung, nicht mehr der absolute
ohysikalische, sondern der subjektive menschliche Ton, der Ton
Beethovens brachte die Erfüllung der Zeiten.
War das aber der steile Weg, den die Entwicklung empor⸗
stieg zum musikalisch-subjektivistischen Klassizismus, so konnten
seine ersten Stufen nicht so sehr in die Gebiete der Instrumental—⸗
musik führen, wie in den Bereich der menschlichen Stimme.
Sicherlich unterliegt es keinem Zweifel, daß auch das
Orchester alsbald von den neuen Forderungen ergriffen wurde.
Schon in den letzten Zeiten des alten Bach, jedenfalls nicht
lange nach der Mitte des 18. Jahrhunderts ist das geschehen.
Die Instrumente wurden jetzt als immer intensiver zu ent—
wickelnder Faktor der Tondarstellung fraglos anerkannt; der