608 Fünfundzwanzigstes Buch. Viertes Kapitel.
verhandlungen über den Bündnisvertrag zwischen Bayern und dem
Reiche im Januar 1871 von dem bayerischen Minister, GrafenBray,
mitgeteilt werden: „Allianz mit Österreich, das, meine Herren, ist
die einzige jetzt mögliche Verwirklichung der großdeutschen Idee,
welche viele von uns auf ihr Banner geschrieben hatten.“
Entsprechend dieser allgemeinen Disposition der Geister
kamen dann Kaiser Wilhelm und Kaiser Franz Joseph am 11.
und 12. August 1871 in Ischl zusammen, während sich Beust
und Bismarck in Gastein trafen. Freilich den Grafen Beust
wies seine Vergangenheit jetzt vom Platze; im November 1871
wurde er durch den Grafen Andrassy ersetzt. Andrassy war
Ungar; er wußte wohl, welche Vorteile Ungarn in seinem
Verhältnis zu Osterreich den Ereignissen von 1866 und auch
von 1870/71 zu danken hatte. Und so konnte von diesem
Augenblick an um so mehr das Verhältnis des Deutschen Reiches
und OÖsterreich-Ungarns als ein dauerndes und dauernd auf
den Friedensschutz Europas gestelltes betrachtet werden.
In der Natur der Sache aber fast lag es, daß sich dieses
freundliche Verhältnis auch auf Rußland erweiterte. Rußland,
in alter Freundschaft mit Preußen, zudem durch die Erfolge
der Jahre 1870/71 auch seinerseits insofern begünstigt, als
es während derselben unter energischer deutscher Unterstützung
die Freigabe der russischen Kriegsschiffahrt auf dem Schwarzen
Meere erlangt hatte, war Ästerreich allerdings zunächst nicht
sehr gewogen: mit Unwillen gedachte man noch seiner Haltung
während des letzten polnischen Aufstands. Allein schon Mitte
1871 hatte Graf Beust den österreichisch-ungarischen Delegationen
erklärt, es sei wenig wahrscheinlich, daß jemand gegen den
Freund seines Freundes zum Feinde werde; und etwas über
ein Jahr später kam es zu der ersten Dreikaiserzusammenkunft
in Berlin vom 5. bis zum 12. September 1872, in der aller⸗
dings OÖsterreich, wenigstens nach der Absicht Bismarcks, schon
einige Bevorzugung vor Rußland erfuhr. Bei dieser Gelegen⸗
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Bismarck in gemeinsamer Aussprache die zwischen den Reichen
vorliegenden Anstöße; und ein allgemeines Einverständnis wurde