Bildende Kunst und Musik.
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Ensembles erschienen seitdem zurückgedrängt; ganz in den Vorder—
grund war die Monodie getreten, sei es als Rezitativ, soweit
es sich um die Wiedergabe rasch fortschreitender Gefühls—
momente handelte, sei es in der Arie, dem Kantabile, soweit
diese Gefühle mehr zuständlich auftraten. Scarlatti hatte
dabei diese monodischen Formen so reguliert, daß er das
Kantabile zur dreiteiligen Da-capo-Arie ausgestaltete und dem
Rezitativ zwei Formen zuwies, die des Seccorezitativs, der
fortlaufenden Gesangesrede mit bloßer harmonischer Unter—
lage des Orchesters oder Cembalos, und die des Recitativo
accompagnato, mit der Unterbrechung instrumentaler Zwischen⸗
spiele. Seitdem waren die Formen der italienischen Oper im
ganzen fest geblieben, wenn auch Piccini, dessen Schule den
Aufführungen Gluckscher Opern in Paris aufs ärgerlichste
entgegentrat, die Arie in der Rondoform ausgestaltet und das
Finale stärker durchgebildet hatte.
In diese festen Formen also wuchs der jugendliche Mozart
hinein. Und er hat sie auch, darin konservativer fast als
Gluck, äußerlich zeit seines Lebens nicht eigentlich gesprengt;
nur daß sich in späterer Zeit auch noch französische Einflüsse
aus der Oper namentlich Rameaus in der stärkeren Betonung
der Chöre wie in einigen anderen Dingen bemerklich machten.
Und so wäre, in Anbetracht der bloßen Form, Mozart bis
zu einem gewissen Grade wohl ebensosehr als ein italienischer
oͤder auch französischer, als ein deutscher Meister anzusprechen;
und sicherlich hat dieses äußere Festhalten und Verbinden fremder
Formen viel zu jener frühen internationalen Verbreitung seiner
Opernmusik beigetragen, mit der der Triumphzug der deutschen
dramatischen Musik durch die Welt begann.
Aber wie erscheinen nun diese alten Schläuche in all den
reifen Opern des Meisters, die bis heute fortleben, mit neuem,
brausendem Inhalte gefüllt! Und dieser Inhalt ist deutsch,
und er ist es, der der Muse Mozarts ihre geschichtliche Stellung
anweist.
Die erste Oper, die Mozart auf neuen Wegen zeigte, war
der „Idomeneo“ vom Jahre 1781. Zwar ist die Form hier
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