330 J Zweiundzwanzigstes Buch.
um weiter zu gelangen; deutlicher erscheint dann die Forde—
rung der Vertiefung in Feders „Untersuchungen über den
menschlichen Willen“ (1779), und im Jahre 1782 beginnt
Moritz sein „Magazin für Erfahrungsseelenkunde“ heraus—
zugeben.
Allein was man dunkel erstrebte: eine experimentelle
Psychologie: das wurde nicht erreicht; Experimentalpsychologie
wurde zu einer Errungenschaft erst des 19. Jahrhunderts; für
das 18. Jahrhundert fehlte noch der notwendige physiologische
Unterbau. So gelangte man denn doch nicht weiter; das Er—
rungene blieb im Gebiete des Ahnungsvollen, Phantastischen;
und erst fast ein Jahrhundert später hat eine besser vorbereitete
Zeit die Probleme der Psychologie des frühesten Subjektivismus
wieder aufgenommen und erfolgreicher gefördert. In den sieb—
ziger und achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts aber vermischten
sich diese sehr zu ihrem Nachteil mit den verschwommenen
Fragestellungen einer schöngeistigen Modephilosophie und den
Versuchen, den gleichzeitigen französischen Materialismus auf
deutschen Boden zu verpflanzen.
In weiterschauenden philosophischen Kreisen dagegen be—
griff man, daß die Frage nach den Funktionen unserer Seele,
wenn überhaupt je, so doch einstweilen unmittelbar nicht zu
lösen sei; daß es vielmehr richtiger sei, die ganze Aufmerksam—
keit der Untersuchung nur dem deutlichsten Produkte dieser
Funktionen, der Erkenntnis, zuzuwenden. Denn hier konnte
man hoffen, weiter zu gelangen: und so trat an die Stelle
der psychologischen die erkenntnistheoretische Forschung. Es
war ein Umschwung, der zugleich durch den Entwicklungsgang
der Wissenschaften nahegelegt war. Man war jetzt wenigstens
in den Naturwissenschaften so weit zur Klarheit gelangt, um
einzusehen, daß diese nur eine Erkenntnis der Gegenstände
vermitteln; wollte man diese vertiefen, so war es natürlich
die nächste Aufgabe, den Charakter der Erkenntnis an sich fest—
zustellen.
Allein wie war auf diesem Gebiete vorwärts zu kommen?
Die alte rationalistische Philosophie hatte die Einzelperson