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Zweiundzwanzigstes Buch.
vor allem Karl Philipp Emanuel, der Hamburger Bach (1714
bis 1788) verholfen. Insbesondere kann der Hamburger Bach
als der Vater der klassischen deutschen Sonate gelten; ein un⸗
mittelbarer, von den Meistern selbst dankbar bezeugter Weg
führte von ihm zu der Musik Haydns und Moözarts.
Was Philipp Emanuel charakterisiert, ist vor allem die
Tatsache, daß er die neue werdende Form, neben manchem
gelegentlichen Festhalten an polyphoner und thematischer Arbeit,
mit einem unbaͤndigen Subjektivismus der Empfindung erfüllte:
sein Ausspruch, „Mich deucht, die Musik müsse vornehmlich das
Herz rühren,“ kann als Losung seines Kunstlebens gelten; und
nicht selten gemahnt seine Klaviermusik an den Sturm und
Drang der Dichter. Gewiß war er dabei noch etwas leer
und dünn in der Instrumentation; wer moderne Vollgriffigkeit
bei ihm suchen wollte, würde schwer enttäuscht werden; und
auch die Erfindung gemahnt gelegentlich noch an die Plattheit
des Rationalismus: in dieser Hinsicht steht er Haydn bei
weitem näher als seinem stets bis auf den Grund schöpfenden
Vater. Nicht minder wirkt die Innehaltung eines minutiösen
Rhythmus und die Entfernung der Koloraturen als eines
spielerischen Elementes einigermaßen ernüchternd, da gleichzeitig
die singenden Partien noch nicht eigentlich an das Liedhafte
etwa Haydns heranreichen. Allein bei der mit alledem gegen—
über den Klassikern noch geringeren Differenzierung der Emp—
findung: welch sinnvolles Spiel, welches Auswirken in neuen
musikalischen Bildern, welche Freiheit im wechselnden Satze,
der alle Stufen vom Improvisatorischen bis zu strengster
archaischer Bindung durchläuft, und vor allem: welche Summe
von Kokettem, Kapriziösem, Bizarrem: kurz auf alle Fälle
Rührendem und Unterhaltendem! So ist der Hamburger Bach
zum Vater des subjektivistischen Klavierspiels geworden, des
Salonspiels eon amore, und nur darin zeigt er sich gegen—
über seinen nächsten Nachfolgern auf dem Klaviere als der
Frühere und damit zugleich als zeitlich bedingt, daß er noch
immer wieder Elemente des gebundenen Stiles durchbrechen
läßt und daß er, ein psychisch dissoziierter Charakter der