Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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Sturmes- und Drangeszeit, in Aphorismen empfindet statt in 
der Art des vollen inneren Programms der Klassizisten: in 
Aphorismen, die ihm zugleich der Wechsel alter und neuer 
Stilformen ebenso erlaubte wie nahelegte. 
Der erste wahrhaft klassische Vertreter der neuen Instru— 
mentalmusik aber war Haydn; und bei ihm verlief der fort⸗ 
schreitende Weg der Entwicklung zugleich der Hauptsache nach 
aus der Klavier- in die Orchestermusik; wir kennen ihn schon 
als geradezu den Schöpfer des klassizistischen Orchesters. Franz 
Joseph Haydn ist 1732 zu Rohrau, an der ungarischen Grenze 
Niederösterreichs, in kleinen Verhältnissen geboren; seine Jugend 
war äußerlich traurig und dennoch nicht freudenlos; in einer 
Kapellmeisterstelle im Dienste des Fürsten Esterhazy hat der 
fromme und zufriedene Meister dann seit 1761 ein bescheidenes 
Glück gefunden, bis ein höheres Alter, seit den achtziger Jahren 
des Jahrhunderts, Ehren und Würden die Fülle brachte. Im 
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Lebenslinie, noch im hohen Alter durch zunehmende Erfolge 
zu so großen Werken, wie der „Schöpfung“ (1798) und den 
„Jahreszeiten“ (1801) ermuntert, hat Haydn rüstig über die 
Wende des alten Jahrhunderts hinausgelebt; erst 1809 ist er 
gestorben. 
Im Jahre 180 besuchte Tomaschek den Meister. Er fand 
ihn im Sorgenstuhle sitzend. „Eine gepuderte, mit Seiten⸗ 
locken gezierte Perücke, ein weißes Halsband mit goldener 
Schnalle, eine weiße, reichgestickte Weste von schwerem Seiden⸗— 
stoff, dazwischen ein stattliches Jabot prangte, ein Staatskleid 
von feinem kaffeebraunen Tuche, gestickte Manschetten, schwarz⸗ 
seidene Beinkleider, weißseidene Strümpfe, Schuhe mit großer, 
über den Rist gebogener silberner Schnalle, und auf dem zur 
Seite stehenden Tischchen neben dem Hute ein Paar weiß— 
lederne Handschuhe, waren die Bestandteile seines Anzuges.“ 
Versetzt man dies Bild um einige Jahrzehnte zurück, in die 
Zeit, da seine Einzelheiten der allgemeinen Mode entsprachen, 
so enthüllt es ein gutes Teil, wenn auch mehr der äußerlichen 
Seiten des Haydnschen Wesens. Im Sinne des guten Rokokos 
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