Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Bildende Kunst und Musik. 
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und also im Grunde Anhänger der absoluten Musik; die 
äußerlich sonderbare Erscheinung Beethovens hätte ihn wahr⸗ 
haft nur aus einem innigen Verständnisse seiner Schöpfungen 
her fesseln können. „Beethoven habe ich in Teplitz kennen ge— 
lernt. Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt. Allein er 
ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar nicht 
unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie frei— 
lich dadurch weder für sich noch für andere genußreicher macht“. 
Die herrlichste Frucht der symphonischen Zeit im Momente 
ihrer leisen Anbiegung an fast überwiegend romantische Stim— 
mungen ist der „Fidelio“ (1805). „Fidelio“ ist vor allem ganz 
deutsch. Liszt hat einmal bemerkt!, daß alle großen deutschen 
Opernkomponisten bis auf Richard Wagner mit Ausnahme 
Beethovens ihrem eigenen Lande gewissermaßen ferngeblieben 
seien: Mozart habe wohl in tragischen Momenten den de— 
klamatorischen Akzent merklich seinem Rechte genähert, doch 
verlangten seine Opern darum doch Sänger, die nach der 
italienischen Schule gebildet seien; Gluck und Meyerbeer hätten 
für das Pariser Publikum geschrieben; Weber würde, hätte er 
länger gelebt, höchstwahrscheinlich für England gewirkt haben. 
Ist dies Urteil auch übertrieben, so bleibt doch bestehen, daß 
„Fidelio“ in der Tat die erste ganz deutsche Oper ist: und zwar 
ganz unbewußt, nur aus dem Zusammentreffen des Charakters 
des Meisters mit dem tiefsten Gange der national-psychischen 
Strömungen entstanden: leise Romantik und leises National⸗ 
gefühl, so zart und wunderbar in ihren Anfängen um das 
Jahr 1800, sie spielen hier in verstohlener Seligkeit mit. Es 
ist einer jener wichtigen Unterschiede von den Opern Mozarts, 
die sich auch sonst verfolgen lassen und für den „Fidelio“ alle 
entwicklungsgeschichtliche Fortschritte bedeuten. Mozart hatte 
zuerst Opernfiguren musikalisch scharf umrissen; er war zum 
Realisten der Operncharakteristik geworden. Beethoven bildete 
die Personen schon zum Typus um; ihm erscheint das einzelne 
schon in allgemeiner, idealer Beleuchtung. Damit werden denn 
Werke 2, 3, 2, 241.
	        
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