Bildende Kunst und Musik.
z97
und also im Grunde Anhänger der absoluten Musik; die
äußerlich sonderbare Erscheinung Beethovens hätte ihn wahr⸗
haft nur aus einem innigen Verständnisse seiner Schöpfungen
her fesseln können. „Beethoven habe ich in Teplitz kennen ge—
lernt. Sein Talent hat mich in Erstaunen gesetzt. Allein er
ist leider eine ganz ungebändigte Persönlichkeit, die zwar nicht
unrecht hat, wenn sie die Welt detestabel findet, aber sie frei—
lich dadurch weder für sich noch für andere genußreicher macht“.
Die herrlichste Frucht der symphonischen Zeit im Momente
ihrer leisen Anbiegung an fast überwiegend romantische Stim—
mungen ist der „Fidelio“ (1805). „Fidelio“ ist vor allem ganz
deutsch. Liszt hat einmal bemerkt!, daß alle großen deutschen
Opernkomponisten bis auf Richard Wagner mit Ausnahme
Beethovens ihrem eigenen Lande gewissermaßen ferngeblieben
seien: Mozart habe wohl in tragischen Momenten den de—
klamatorischen Akzent merklich seinem Rechte genähert, doch
verlangten seine Opern darum doch Sänger, die nach der
italienischen Schule gebildet seien; Gluck und Meyerbeer hätten
für das Pariser Publikum geschrieben; Weber würde, hätte er
länger gelebt, höchstwahrscheinlich für England gewirkt haben.
Ist dies Urteil auch übertrieben, so bleibt doch bestehen, daß
„Fidelio“ in der Tat die erste ganz deutsche Oper ist: und zwar
ganz unbewußt, nur aus dem Zusammentreffen des Charakters
des Meisters mit dem tiefsten Gange der national-psychischen
Strömungen entstanden: leise Romantik und leises National⸗
gefühl, so zart und wunderbar in ihren Anfängen um das
Jahr 1800, sie spielen hier in verstohlener Seligkeit mit. Es
ist einer jener wichtigen Unterschiede von den Opern Mozarts,
die sich auch sonst verfolgen lassen und für den „Fidelio“ alle
entwicklungsgeschichtliche Fortschritte bedeuten. Mozart hatte
zuerst Opernfiguren musikalisch scharf umrissen; er war zum
Realisten der Operncharakteristik geworden. Beethoven bildete
die Personen schon zum Typus um; ihm erscheint das einzelne
schon in allgemeiner, idealer Beleuchtung. Damit werden denn
Werke 2, 3, 2, 241.