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Zweiundzwanzigstes Buch.
seine Principia de substantiis et phaenomenis heraus, in
denen diese Lehre begründet wurde. Von sinnesphysiologischen
Beobachtungen, namentlich Untersuchungen der Gesichtswahr—
nehmung ausgehend, drang Ploucket bis zu der Auffassung
vor, daß die ganze uns gegenständliche Welt nur ein geistiges
Phänomenon sei, eine Summation unserer Vorstellungen, ohne
daß es uns möglich bleibe, die diese Vorstellungen veranlassende
Wirklichkeit zu erkennen. Es wäre der Übergang zu einem
gänzlich zügellosen Subjektivismus des Erkennens gewesen,
hätte dem nicht bei Ploucket der metaphysische Glaube die
Wage gehalten, daß Gott schon durch sein bloßes Vorstellen
die von den Menschen angeschauten Körper zu Wirklichkeiten
mache und zugleich in uns die diesen Objekten entsprechenden
Scheine hervorrufe.
Allein dieser Glaube war Plouckets persönlicher, wenn
auch an einige Grundlehren der individualistischen Zeit an—
gelehnter Besitz. Nun fand Plouckets Lehre zwar auch zugleich
mit Plouckets Glauben Anhänger, wie denn ein mystischer
Subjektivismus schon in Plouckets Zeit ziemlich weit verbreitet
gewesen zu sein scheint. Mehr griffen aber doch noch die Lehren
eines absoluten Phänomenalismus um sich, einer rein sub—
jektiven Auffassung der uns zugänglichen Welt als eines nur
durch unser Denken hervorgerufenen Scheines; wie sie denn
längere Zeit der allgemeinen seelischen Strömung am besten
zu entsprechen schienen.
Und da kam es denn zu Behauptungen, die nur noch
einen trostlosen Skeptizismus übrigließen. Lossius z. B. führte
aus, „die Wahrheit sei durchaus nichts anderes als eine
Relation für den, der sie denkt“; und weiter wurde behauptet,
daß es denkende Wesen geben könne, die sich auch dasjenige
vorstellen könnten, was für uns etwas Widersprechendes ist:
jede erkenntnistheoretische Sicherheit schwand dahin: die alte
Ruhe des Rationalismus hatte man verloren, eine neue des
aufkeimenden Subjektivismus schien erkenntnistheoretisch nicht
möglich.
Und zur selben Zeit, da die Fahnenträger des neuen Zeit—