Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch. 
seine Principia de substantiis et phaenomenis heraus, in 
denen diese Lehre begründet wurde. Von sinnesphysiologischen 
Beobachtungen, namentlich Untersuchungen der Gesichtswahr— 
nehmung ausgehend, drang Ploucket bis zu der Auffassung 
vor, daß die ganze uns gegenständliche Welt nur ein geistiges 
Phänomenon sei, eine Summation unserer Vorstellungen, ohne 
daß es uns möglich bleibe, die diese Vorstellungen veranlassende 
Wirklichkeit zu erkennen. Es wäre der Übergang zu einem 
gänzlich zügellosen Subjektivismus des Erkennens gewesen, 
hätte dem nicht bei Ploucket der metaphysische Glaube die 
Wage gehalten, daß Gott schon durch sein bloßes Vorstellen 
die von den Menschen angeschauten Körper zu Wirklichkeiten 
mache und zugleich in uns die diesen Objekten entsprechenden 
Scheine hervorrufe. 
Allein dieser Glaube war Plouckets persönlicher, wenn 
auch an einige Grundlehren der individualistischen Zeit an— 
gelehnter Besitz. Nun fand Plouckets Lehre zwar auch zugleich 
mit Plouckets Glauben Anhänger, wie denn ein mystischer 
Subjektivismus schon in Plouckets Zeit ziemlich weit verbreitet 
gewesen zu sein scheint. Mehr griffen aber doch noch die Lehren 
eines absoluten Phänomenalismus um sich, einer rein sub— 
jektiven Auffassung der uns zugänglichen Welt als eines nur 
durch unser Denken hervorgerufenen Scheines; wie sie denn 
längere Zeit der allgemeinen seelischen Strömung am besten 
zu entsprechen schienen. 
Und da kam es denn zu Behauptungen, die nur noch 
einen trostlosen Skeptizismus übrigließen. Lossius z. B. führte 
aus, „die Wahrheit sei durchaus nichts anderes als eine 
Relation für den, der sie denkt“; und weiter wurde behauptet, 
daß es denkende Wesen geben könne, die sich auch dasjenige 
vorstellen könnten, was für uns etwas Widersprechendes ist: 
jede erkenntnistheoretische Sicherheit schwand dahin: die alte 
Ruhe des Rationalismus hatte man verloren, eine neue des 
aufkeimenden Subjektivismus schien erkenntnistheoretisch nicht 
möglich. 
Und zur selben Zeit, da die Fahnenträger des neuen Zeit—
	        
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