Neue Weltanschauung.
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schritt Hume, dieser große und umfassende englische Denker,
der Vorgänger Adam Smiths und Rivale J. J. Rousseaus,
auf erkenntnistheoretischem Gebiete zu einer Art von Dynamik,
zur Erforschung der Bildungs- oder Assoziationsgesetze der
Vorstellungen fort. Von diesem Standpunkte aus aber mußte
ihm der Begriff der Kausalität von besonderer Bedeutung
werden, für den ja die Verknüpfung vorhandener Eindrücke
mit vorgestellten oder erinnerten wesentlich ist.
Und hier ging nun die Absicht Humes dahin, „den Leser
die Wahrheit der Hypothese empfinden zu lassen, daß alle
unsere Erkenntnisse von Ursache und Wirkung sich bloß und
allein auf Gewohnheit gründen“. In der Tat wußte er aus
dem Verhältnisse von Ursache und Wirkung den Kraftbegriff,
den man zwischen beide geschoben hatte, zu entfernen und
damit den Kausalitätsvorstellungen ihren bisher behaupteten
metaphysischen Charakter zu nehmen. Es geschah das in
folgendem Zusammenhang.
Nach Hume gibt es nur zwei seelische Vorgänge: die
Eindrücke und Verknüpfungen, Impressionen und Assoziationen
von Vorstellungen. Dabei führen ständig wiederholte Ein⸗
drücke zu einer solchen Sicherheit der Erwartung ihrer gleich⸗
mäßigen Wiederholung, daß sie in uns als dauernde Ein—
drücke, Begriffe zurückbleiben. Assoziationen von Vorstellungen
weiterhin entstehen auf Grund von Ähnlichkeit oder Berührung
in Raum und Zeit: in diesem Falle pflegt beim Auftreten
eines Eindruckes sich auch der mit ihm durch Ähnlichkeit oder
Berührung assoziierte ständig einzufinden. Nun ist aber die
Kausalität nichts als ein besonderer Fall der Berührung in
Raum und Zeit: also gilt auch für sie das Gesetz der Im—
pressionen und Assoziationen: sie ist die aus Gewohnheit zur
Begriffsmäßigkeit, zum intellektuellen Instinkt entwickelte Ver—
bindung gewisser Eindrücke nach dem Prinzip von Ursache und
Wirkung!.
Ahnlich wie für die Kausalität hat Hume auch für die Sub—
tantialität den Beweis subjektiven Charakters zu führen gesucht.
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