Full text: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Weltanschauung. 
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tischer Vernunft ist eine der bezeichnendsten Errungenschaften 
dieser neuen subjektivistischen Erkenntnistheorie, wie der all— 
gemeinen subjektivistischen Erkenntnistheorie überhaupt; von 
Kant vornehmlich klar durchgeführt, findet sie sich doch auch 
früher schon in den Lehren Humes, wie sie später zu den 
wichtigsten Grundanschauungen der gemäßigten Vertreter des 
modernen Positivismus führt; einer der Grundpfeiler alles 
modernen Erkennens hat sie in stillem Wirken das geistige 
Leben des 19. Jahrhunderts auf tausend und aber tausend 
Bebieten beherrscht und beherrscht dieses Leben noch heute. 
Ist nun aber Kant zu seinen Ergebnissen auf dem ein— 
fachsten und reinsten logischen Wege gelangt? Diese Frage 
dejahen könnte beinahe heißen, die subjektivistische Erkenntnis— 
cheorie Kants in der von ihm gelehrten Form als für immer 
gefestigt betrachten: denn einfachste logische Grundgesetze s cheinen 
sich wenigstens im Laufe der uns geschichtlich zugänglichen 
Zeiten wenig oder gar nicht geändert zu haben oder zu 
indern. In der Tat lebte Kant eines so zuversichtlichen 
Blaubens an die absolute Dauer seines Systemes, denn er 
meinte bei dessen Aufriß und Ausbau jede psychologische, und 
das heißt psychogenetische und somit zeitlich bedingte Grund⸗ 
legung vermieden zu haben. Eine geschichtliche Betrachtung 
freilich wird diesen Glauben nicht teilen. Schon an sich steht 
auch den höchsten menschlichen Abstraktionen kein anderes 
Material zur Verfügung, als die seelische Organisation des 
Denkers mit ihren bleibenden Elementen einerseits, aber auch 
hren geschichtlichen Grenzbestimmungen anderseits. Und bei 
Kant lassen sich zudem noch die psychologischen Grundlagen 
seiner besonderen Erkenntnistheorie klar nachweisen. Es sind, 
soweit die Kritik der Verstandestätigkeit in Betracht kommt, 
die allgemeinen psychologischen Lehren seiner Zeit, so wie sie 
sich mit der Entfaltung des subjektivistischen Seelenlebens er— 
geben hatten: die Lehren von einer rezeptiven und spontan 
zusammenfassenden wie einer schöpferischen, spontane und 
rezeptive Tätigkeit zu Höherem vereinigenden Funktion des 
Gemütes. Kant ist in der Anerkennung dieser Lehren nur
	        
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