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lichkeiten ihrer Befriedigung unmittelbar nach Art und Größe
feststellen und danach die Entscheidung treffen, welche sein wirt-
schaftliches Verhalten: sein Arbeiten, sein Sparen, sein Wagen be-
stimmen. Diese Feststellungen und Abwägungen sind aber erheb-
lich erschwert, wenn die isolierte zur gesellschaftlichen
Wirtschaft wird. Die individuellen Wünsche und Strebungen
treten hier im Hinblick auf die Gegenstände des Begehrens mit-
einander in Beziehung: zur natürlichen fügt sich die soziale Güter-
knappheit, sofern der Bedarf mehrerer Individuen nur durch ein
und dieselbe Güterart und -menge gedeckt werden kann. Anderer-
seits ergibt sich auch eine gesellschaftliche Beziehung der wirt-
schaftlichen Leistungen, ein Verhältnis von Leistung und Gegen-
leistung: die gesellschaftliche Arbeit fordert ihren Lohn, das
Zur- Verfügung -Stellen „vorgetaner Arbeit“ (Rodbertus) seinen
Zins und die Übernahme der Gefahrtragung eine Risikoprämie.,
Die gesellschaftliche Wirtschaft braucht darum nicht bloß Wert-
erkenntnisse, die eine Ordnung der Güterbeschaffung und -verwen-
dung ermöglichen, sondern sie bedarf auch eines Maßstabes für den
Güterabsatz und die Güterverteilung. Und dies um so not-
wendiger, als die individuelle Bewertung der Wirtschaftsgüter ebenso
wie die persönliche Einschätzung der eigenen und fremden Leistungen
außerordentlich mannigfaltig ist. Solange der Kreis der Wirtschafts-
gesellschaft nur klein ist, können die Einzelnen sich noch mit
ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten wechselseitig vertraut machen
und sich von Fall zu Fall einander anpassen. Entweder wird dann
die Verteilung zur autoritären Zuteilung auf Grund persön-
licher Kenntnis des allseitigen Bedarfs und der verfügbaren Güter-
mengen, wie sie etwa der römische pater familias hinsichtlich
seines Gewaltbereichs gehabt haben mag. Oder aber die vom
Einzelnen über den Selbstbedarf hinaus beschafften Güter (Waren)
werden im Wege des freien Tausches ausgewechselt (so z. B. in
den Anfängen des Naturalverkehrs, aber selbst noch im Zeitalter
der Kundenwirtschaft), wo jeder seinen Überschuß an denjenigen
abgibt, von dem er das ihm Fehlende erlangen kann. Im Falle
der Hauswirtschaft liegt der Typ der Verwaltungs-, beim Tausch
eine Form der Verkehrswirtschaft vor; in der ersteren beherrscht
ein Wille die organisierte Wirtschaftsgesellschaft, während in der
letzteren sich die wirtschaftlichen Vorgänge aus .dem Zusammen-
wirken mindestens zweier — beim „mittelbaren Tausch“ (Mises)
mehrerer — in ihren Entschlüssen grundsätzlich freier Wirtschafts-
personen ergeben. Bei dieser typischen Verschiedenheit haben