32 Vierundzwanzigstes Buch. Erstes Kapitel.
religiösen Gebildeten das beruhigende Gefühl von der Mög—
lichkeit eines ihren subjektiven Bedürfnissen angepaßten reli—
giösen Autoritarismus.
III.
Es waren Ziele und Ergebnisse, die freilich schon weit
ablagen von den Ursprungsempfindungen Schleiermachers in
den Jahren der Frühromantik; bereits an dieser Stelle unserer
Erzählung vorgetragen können sie dem Leser rasch eine schon
jetzt nicht unwillkommene ungefähre Vorstellung des Abstandes
der Spätromantik von der Frühromantik vermitteln. Für
Schleiermacher selbst aber ist es doch die Frage, ob er sogar
in den Jahren der Frühromantik so ganz den folgenden Worten
des Athenaeums zugestimmt haben möchte: „Wenn jedes un⸗
endliche Individuum Gott ist, so gibt's so viele Götter als
Ideale. Auch ist das Verhältnis des wahren Künstlers und
des wahren Menschen zu seinen Idealen durchaus Religion.
Wem dieser innere Gottesdienst Ziel und Geschäft des Lebens
ist, der ist Priester, und so kann und soll es jeder werden.“
Wie man aber auch die grundsätzlich ästhetische Auffassung
der Religion ansehen mag, die sich in diesen Worten ausspricht:
sicher ist, daß sie der Ausdruck eines ungemeinen Ernstes und
einer starken Gewissenhaftigkeit der Romantik als Kunst sind.
Und damit regen sie eine Überzeugung an, die uns vor allem
beseelen muß, wenn wir von der Dichtung der Frühromantik
hören wollen. Denn nur zu leicht verknüpfen wir mit dieser
aus den nächsten Eindrücken gewisser Erscheinungen, namentlich
des Sittenlebens wichtiger Dichter her die Voraussetzung des
Spielerischen.
Von den dichterischen Erscheinungen waren vielleicht die
wichtigsten der Roman und das Drama. Dabei ist bekannt, daß
sie beide sozusagen unvollendet blieben; daß sie den Eindruck von
Blumen machen, die, aus fruchtbarstem Keime entsprossen, im
Wachstum stecken bleiben, um vor der Blüte bereits elend zu—
grunde zu gehen. Und nichts ist für diese Auffassung vielleicht