Erste Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 368
gewiesen worden sein —: und statt auf französische Schlacht—
felder zog ich in das gewohnte Arbeitszimmer der Landesschule
Pforta. Da war denn freilich vom Kriege nicht viel zu sehen;
unsere eigenen, an den Krieg anknüpfenden Heldentaten be—
wegten sich auf dem bescheidenen Gebiete der Schultorheiten
und endeten schlimmstenfalls mit einem strafenden Verdikte der
Lehrer; und nur passiv nahmen wir an den großen Dingen da
draußen eigentlichen Anteil, indem wir auf einen Gang unseres
Essens zugunsten der Verwundeten — ohne übrigens deswegen
von da ab zu fasten — verzichteten.
Der Schule folgte Universität und Eintritt in die akade—
mische Laufbahn: Zeiten vornehmlich der eigenen Bildung.
Damals habe ich, erst als Privatdozent, zum ersten Male den
Fürsten Bismarck gesehen; es war Anfang der achtziger Jahre.
Ich finde darüber in vergilbten Zetteln nur die Worte: „Ob-
stipui. Vox faucibus haesit.“ Der Fürst sollte von Varzin
auf dem Stettiner Bahnhofe ankommen. Es war nicht öffentlich
bekannt; ich hatte es aus besonderer Quelle erfahren; nur wenig
Volk hielt sich am Ausgange des Bahnhofes. Um so mehr
nahm ich mir vor, durch lautes Hurra ein gutes Beispiel der
Bewillkommnung zu geben; denn es waren Zeiten, in denen nicht
jeder dem Fürsten ein Hoch gönnte. Da kam er, der namen—
gebende Held der Zeit — und mir versagte vor Erregung die
Stimme. Denn was hieß es für einen jungen Mann mit
historischen Neigungen, die aufsteigende Geschichte seines Volkes
gleichsam fleischgeworden, in der unerhörten Offenbarung einer
Person mit Augen zu schauen!
Später habe ich den Fürsten öfter gesehen. Aus einem
halbtägigen Besuche bei dem Greise in Friedrichsruh, am
1. Januar 1895, bewahre ich die folgende Aufzeichnung, die
ich gebe, wie sie sich mir in einer Stunde höchsten Glückes. un—
mittelbar nach dem Besuche, einstellte.
„Anwesend: Malwine von Arnim, Graf Rantzau mit Frau
und Kindern, Herbert Bismarck mit Frau, Wilhelm Bismarck
mit Frau, Lenbach, Schweninger, Horst Kohl, Chrysander.
Mich interessieren nur der Fürst und seine Schwester.