Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 507
7. September 1851 diesen Verein unter vorteilhaften Be⸗
dingungen in den Zollverein aufnahm, mußte es nach der
Natur der Dinge sogar auch die anderen Staaten langsam auf
seine Seite ziehen.
Zwar hielt eine Anzahl von Staaten auch noch im Jahre
1852 Zollkonferenzen zu Wien und Darmstadt ab, um für
die Zollvereinigung mit sterreich zu wirken; man konnte
aber nur durchsetzen, daß Preußen in einen Vertrag willigte,
in welchem sterreich mit dem Zollverein gegenseitige Zoll⸗
erleichterungen festsetzte, und in dem von dem vollen, später
oielleicht einmal möglichen Eintritt Hsterreichs in den Zollverein
die Rede war; 19. Februar 1853.
Im ganzen aber ging die preußische nationale Handels⸗
politik gestärkt aus diesen Versuchen Hsterreichs hervor, sie zu
sprengen oder für sich auszunutzen.
Ganz anders aber verstärkte sich die preußische Stellung
noch seit Anfang der sechziger Jahre. Damals führte Napoleon
durch einen freihändlerischen Handelsvertrag mit England eine
holle Revolution in den europäischen Handelsverträgen herbei.
Im Laufe dieser Strömung schloß nun auch Preußen 1862 für
sich und den Zollverein einen ziemlich freihändlerischen Vertrag
mit Frankreich ab. Es war an sich ein großer kommerzieller
Fortschritt. Allein eine Anzahl deutscher Staaten wollte zunächst
davon nichts wissen, im Gegenteil gedachten sie das Miß⸗
vergnügen mit dem Vertrage zu dem erneuten Versuche zu be⸗
autzen, sterreich bei der bevorstehenden Erneuerung des Zoll⸗
vereins in diesen hineinzubringen. Und Osterreich hatte sich für
diesen Fall zur Annahme des ganzen Zollvereinstarifs erboten.
Aber auch diesmal siegte Preußen. Es hielt fest an dem
französischen Vertrag; die industriellen Teile Deutschlands er⸗
kannten bald dessen Vorteile, so namentlich das Königreich
Sachsen, und so fügte man sich bald: im Jahre 1864 wurde
ganz allgemein der Zollverein, und zwar ohne Osterreich, glänzend
erneuert.
So lagen die Dinge im Jahre 1866. Der Krieg hatte
dann, wie alle Verträge zwischen den deutschen Staaten, so
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