III.
1L. Schon Otto Ludwig hat, und bereits Ende der dreißiger
Jahre, in erstem dunklem Ahnen den Gedanken einer sittlichen
Regeneration durch künstlerische Mittel berührt: in Zeiten, da
sich erst in den allerleisesten Spuren all die Mächte wirtschaft—
licher, sozialer, geistiger Natur geltend machten, die später die
Periode der Reizsamkeit heraufgeführt haben. „Unsere ganze
Erziehung durch Schule, Kunst und Gesellschaft,“ sagt Ludwig
1839, „arbeitet nur dahin, uns zu zerstückeln; von Glück hat der
zu sagen, dessen Sein sich wieder aufbaut aus den Trümmern,
in die man es schlug. Sollte nicht der Zweck der Kunst etwa
nur der sein, den zerstückelten Menschen wieder zu bilden?
Die Menschenganzheit muß mein Ideal sein von nun an im
Leben und in der Kunst. Versöhnung des Menschen mit dem
Leben, — darum ein anderes Leben!“ In prophetischem Ahnen
steigen hier die Linien einer anderen Zeit auf — einer Zeit, da
die Kunst erziehlich wirken wird, Lebensodem sein wird einer
Menschheit, die sich ein neues, in sich harmonisches Leben aufbaut.
Von ähnlichen Empfindungen ist auch Hebbel beseelt ge—
wesen. Gewiß: Hebbel hatte die pessimistische Note seiner Zeit;
„Alles Leben ist Raub des einen am anderen“ hat er schon
in den vierziger Jahren gesagt und damit in seiner Weise den
Darwinismus vorweggenommen: und welch furchtbares Urteil
über Leben und Geschichte enthalten nicht, bei der besonderen
Stellung des Dichters zur Kirche, die Worte: „Der Ekel der
Menschheit vor sich selbst war die Wurzel des Christentums.“
Dennoch ist Hebbel niemals im Pessimismus verzweifelt ge—
wesen oder auch nur trostlos; auf duftigen Schwingen trug
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