Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Tonkunst. 
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worden sind. Einige dieser Vorgänge kann bekanntlich jeder 
leicht bei sich hervorrufen; als bewußte Empfindungen in 
außerordentlicher Ausdehnung der möglichen Kombinationen, 
sowie auch in dem heutigen Umfang ihrer — bewußten — Ver— 
breitung sind es doch ziemlich moderne Erscheinungen!. 
Einer der frühesten bewußten deutschen „Synoptiker“ ist 
der wunderliche E. T. A. Hofmann gewesen: „nicht sowohl 
im Traume als im Zustande des Delirierens, der dem Ein— 
schlafen vorhergeht, vorzüglich wenn ich viel Musik gehört habe, 
finde ich eine UÜbereinkunft der Töne, Farben und Düfte. Es 
kommt mir vor, als wenn alle auf die gleiche geheimnisvolle 
Weise durch den Lichtstrahl würden und sich dann zu einem 
wundervollen Konzert vereinigen müßten. Der Duft der dunkel—⸗ 
roten Nelken wirkt mit sonderbarer magischer Gewalt auf mich; 
unwillkürlich sinke ich in einen träumerischen Zustand und höre 
dann, wie aus weiter Ferne, die anschwellenden und wieder 
verfließenden Töne des Bassethorns.“ Von Hofmann ab mehren 
sich aber verwandte Erscheinungen bei unsern Dichtern und 
Künstlern, — bis der Übergang der Empfindungen von gewissen 
Richtungen unserer modernen Lyrik, wie schon einmal an— 
deutungsweise von der extremen Romantik, als etwas ganz Ge— 
wöhnliches behandelt wird. Davon wird später noch zu sprechen 
sein; hier sei nur an die merkwürdigen Beziehungen von 
Malerei und Musik bei Feuerbach erinnert und an die mit be— 
sonderer Treue aufgezeichneten Empfindungen Otto Ludwigs, 
dem z. B. bei dem Gedanken an Schiller und Goethe bestimmte 
Farbenerscheinungen auftraten, dem Musik und Farbenerschei⸗ 
nungen durcheinander gingen, und der bei dergleichen Phäno— 
Freilich geht eine der geistreichsten Theorien über die Entstehung 
der Sprache, die von K. W. Ludwig Heyse, von der Anschauung aus, daß 
schon in der frühesten Zeit jedem äußeren Eindruck, auch dem durch das 
Auge vermittelten, unbew ußt eine Klangvorstellung entsprochen habe — 
und daß diese Klangvorstellungen in Laute umgesetzt worden seien. Ent— 
präche diese Hypothese über die Entstehung der Sprache der Wirklichkeit, 
so wäre ein neues, überaus charakteristisches Moment für die Ver— 
aleichung von Gegenwart und Urzeit gewonnen.
	        
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