Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

Drittes Kapitel 
DAS ANWACHSEN DES ASTOR-VERMÖGENS 
[8° Zeit wohnte Astor in einem großen Doppelhause 
auf dem Broadway, das von einem stattlichen Lauben- 
gang mit Säulen und Bogen umgeben war. In diesem Hause 
vereinigte er den Stil des aufsteigenden Kapitalisten mit 
der Ausstattung eines Kontors. Es diente gleichzeitig als 
Wohnhaus, Büro und Verkaufsraum. Im Erdgeschoß be- 
fand sich der Laden, mit Pelzen vollgepfropft; und hier 
konnte man einen seiner Söhne und Haupterben erblicken, 
William B. Astor, einen Jüngling, der emsig die Pelze aus- 
klopfte, damit die Motten nicht hineinkämen. Astors 
Gemütsart war phlegmätisch, seine Gewohnheiten waren 
außerordentlich, einfach und genau abgezirkelt. Er pflegte 
regelmäßig um drei Uhr zu Mittag zu essen und gönnte 
sich dann drei Schachpartien und ein Glas Bier. Die 
meisten seiner langen Arbeitstage verbrachte er damit, all 
seine Geschäftsinteressen zu überwachen, von denen keine 
Einzelheit ihm entging. Wie sehr man ihn auch im Gebiete 
der Indianer weit im Westen verabscheute — in New York 
spielte er den patriotischen, ehrwürdigen und tüchtigen 
Geschäftsmann, den man ihm auch einigermaßen glaubte. 
Astor ist über das Gesetz erhaben 
Während derselben Jahre, als er in den Pelzregionen 
zrobe Verfehlungen gegen Gesetze dirigierte, von deren 
Befolgung geradezu das Leben von Männern, Weibern 
und Kindern, von Weißen und Rothäuten abhing, bog 
Astor im Osten andere Gesetze zu seinem persönlichen 
Vorteil um. Im Westen ein Dutzend Indianerstämme 
ausplündernd, führte er im Osten öffentliche Gelder in 
seinen Privatgeldschrank über und brauchte sie als per- 
sönliches Kapital in seinen Reederunternehmungen. 
„John Jacob Astor,“ sagt Barrett voller Bewunderung, 
„hatte immer mehrere Schiffe unterwegs, die zum Atlan-
	        
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