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einzigen Grundbesitzer berichtet, der sich geweigert hätte,
die großen Gewinste aus solchen Mietkasernen einzu-
sacken. Groß waren sie in der Tat, außerordentlich groß,
denn die Grundbesitzerklasse betrachtete Wohnhäuser als
„glänzende Kapitalsanlage‘“, und alle bis auf einen hielten
daran fest. Dieser eine war William Waldorf Astor von der
heutigen Generation, der, wie uns berichtet wird, „im Jahre
1890 wenig aussichtsreiche Miethäuser im Werte von einer
Million Dollar verkaufte“. Was mag William Waldorf
Astor bewogen haben, sich so von den überlieferten Ge-
wohnheiten seiner Kaste zu scheiden, daß er eine „glänzende
Kapitalsanlage‘“ fahren ließ! Graute ihm vor dem Ver-
mieten, oder wurde er in den Methoden wählerischer ?
Es sei bemerkt, daß bis dahin er und seine Familie die Ein-
künfte aus den Mieten mit großer Zähigkeit einkassiert
hatten — die Quelle, aus der das Geld floß, störte ihn also
offenbar nicht. Und beim Verkauf dieser Mietkasernen
mußte er sich sagen, daß die Käufer seinen Profit bei der
Transaktion wieder den künftigen Mietern aufbürden
würden und daß auf diese Weise nur eine größere Über-
völkerung entstehen mußte. Was war also der Grund?
5 Um das Jahr 1887 hatte sich in New York eine lebhafte
Agitation gegen die entsetzlichen Zustände in den Miet-
kasernen gebildet, und allgemein wurden Gesetze verlangt,
die ihnen ein Ende machen oder wenigstens einige Besserung
herbeiführen sollten. Die ganze Grundbesitzerklasse be-
kämpfte diese Agitation und diese Gesetzesvorschläge aufs
kräftigste. Da wurde bezeichnenderweise vom Bürger-
meister eine städtische Kommission gebildet, die diese
Zustände untersuchen sollte — und diese Kommission wurde
aus Grundbesitzern gebildet. William Waldorf Astor war
ein hervorragendes Mitglied dieser Kommission. Der Hohn,
der darin lag, daß man einen Mann, dessen Familie ganze
Meilen von Miethäusern besaß, für eine Kommission
wählte, deren Aufgabe es sein sollte, Mittel zur Besserung
der Zustände in den Miethäusern zu finden, entging dem
Publikum nicht; die arbeitende Bevölkerung war, und mit
Recht, skeptisch über den guten Glauben dieser Kommis-
sion. Jedes Gesetz, begonnen mit dem milden und wirkungs-