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innerhalb ihrer eigenen Klasse. Dadurch mußte natürlich
der Reichtum noch mehr auf den engen Kreis einiger
weniger Familien konzentriert werden. Wenn man daher
das Gesamtvermögen der Astors oder irgendein anderes
großes Vermögen abschätzt, so muß man nicht nur die
Reichtümer einer Familie, sondern den kombinierten
Reichtum der miteinander verwandten reichen Familien
betrachten.
Die Heirat William Astors war (wie die seines Sohnes
John Jacob Astors II. mit der Tochter einer der reichsten
Grundbesitzerfamilien in Philadelphia, 38 Jahre später)
das Ereignis des "Tages, wenn man nach der Aufregung
urteilt, die sie in der sogenannten höheren Klasse erweckte,
und nach der Aufmerksamkeit, mit der die Zeitungen sie
behandelten. In Wirklichkeit würden diese Heiraten kaum
Erwähnung verdienen, wenn sie nicht die Wirkung gehabt
hätten, das Geld zu konzentrieren, und wenn sie nicht ein
gutes Bild von den Vorstellungen der Zeit gäben.
Große Steuerhinterziehungen
Die direkte Aufopferung menschlichen Lebens bei den
Indianern und in den Miethäusern war jedoch nur Eine
Quelle des Astorvermögens. Wieviel sie durch Steuer-
hinterziehungen verdienten, läßt sich genau nicht sagen,
da man diese Tatsachen im allgemeinen sorgfältig verborgen
hat. Immerhin ergibt sich aus einer Zeugenaussage, die
Michael Coleman, der Präsident der Einschätzungskommis-
sion, 1890 vor einer staatlichen Senatskommission machte,
daß die Taxatoren gar nicht die Macht hatten, Einsicht in
die Mietsbücher zu verlangen, und sogar nicht wissen
konnten, wie hoch die Einkünfte der Grundbesitzer waren.
Coleman gab zu, daß weite Bodenstriche, die den Astors
gehörten, nur auf die Hälfte oder auf weniger als die Hälfte
ihres wahren Wertes eingeschätzt wurden, und daß man
den Aktiengesellschaften New Yorks, deren Personalver-
mögen auf 1650 Millionen Dollar geschätzt wurde, erlaubte,
es auf 294 Millionen herunterzuschwören. So halfen die
Steuerbehörden bei der Auspowerung der Massen.