Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

Die dritte Generation 
Das Vermögen der Brüder fiel an Roberts beide Söhne, 
an den 1841 geborenen Robert und den 1846 geborenen 
Ogden. Diese Erben eines Vermögens, das so groß war und 
so schnell wuchs, daß sie ihm kaum mit den Augen folgen 
konnten, gaben die starre Sparsamkeit der vorigen. Genera- 
tion einigermaßen auf. Sie gestatteten sich luxuriöse Ge- 
wohnheiten, die man allgemein schon für Verschwendung 
hielt, die aber noch nicht ein Zehntel von den bloßen 
Zinsen des Kapitals aufbrauchten: Robert Goelet hielt 
sich eine kostbare Dampfjacht, die das ganze Jahr unter- 
wegs war — 300 Fuß lang und mit allem Luxus und aller 
Bequemlichkeit versehen, die man bis dahin erdacht hatte — 
ein Spaß, den damals nur die ganz Reichen sich leisten 
konnten. — Die beiden Brüder hatten ein Vermögen von 
mindestens 150 Millionen Dollar. Der Grundstock war 
Bodenbesitz in der Stadt New York, ein beträchtlicher Teil 
aber bestand in FEisenbahnaktien und Obligationen und 
besonderen Rechten, die sie sich erkauft hatten. So wurden 
die Goelets, wie die Astors und andere reiche Bodeneigen- 
tümer, teils durch Kapitalsanlagen im Handel, großenteils 
auch durch Betrug, schließlich nicht nur Großgrund- 
besitzer, sondern auch Teilhaber an dem zentralisierten 
Eigentum der Transportmittel und Industrien des Landes. 
Als Ogden Goelet starb, hinterließ er ein Vermögen von 
mindestens 80 Millionen Dollar, all die verschiedenen For- 
men seines Besitzes inbegriffen; und sein Bruder Robert 
hinterließ bei seinem Tode im Jahre 1899 ein Vermögen 
in etwa der gleichen Höhe. Jeder von den Brüdern hinter- 
ließ zwei Kinder, Nun zeigte sich ein symptomatischer 
Charakterzug der amerikanischen Geldaristokratie. Ein 
Haufen Geld bringt Macht, aber keine rechte Stellung 
innerhalb der 'Titel-Aristokratie. Der nächste Schritt ist die 
Titel-Heirat. Die betitelten Nachkommen der räuberischen 
Barone aus der Feudalzeit hatten generationenlang die Be- 
sitztümer, welche sie Jahrhunderte zuvor durch Gewalt 
und Raub gewonnen hatten, verschwendet und verpfändet. 
Nun brauchten sie Geld. Anderseits sehnten die weiblichen
	        
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