Full text : Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Die Rhinelanders

Der Reichtum der Familie Rhinelander wird gewöhnlich
auf über 100 Millionen Dollar beziffert. Das ist aber, wie
man gute Gründe hat zu glauben, eine absurd niedrige
Ziffer.
Vor fast anderthalb Jahrhunderten hatten William und
Frederick Rhinelander in New York, William-Straße, einen
Bäckerladen, und während der Revolution leiteten sie eine
Zuckerfabrik. Sie bauten auch Schiffe und machten in
großen Kommissionsgeschäften. In der Menge der lobenden
Biographien wird gewöhnlich dargelegt, wie ihre Strebsamkeit
 und Geschicklichkeit den Grund zu dem ungeheuren
Vermögen der Familie gelegt hätten. Es ist aber wenig
Nachforschung nötig, um diesen Irrtum zu zerstreuen.
Daß sie ihr Geschäft nach den üblichen Methoden des "Tages
betrieben und große Schläue und Sparsamkeit zeigten,
ist allerdings wahr; aber dasselbe tat ein Heer von anderen
 Kaufleuten, deren Nachkommen auch jetzt noch in
Armut leben. Es muß also eine andere Erklärung gefunden
 werden für das phänomenale Anwachsen eines
ursprünglich so kleinen Vermögens und dafür, daß es so
intakt blieb.
Diese Erklärung findet man zum Teil in den betrügerischen
 Mitteln, wodurch sie sich Jahrzehnt auf Jahrzehnt
von käuflichen Stadtverwaltungen Land- und Wasserbewilligungen
 sicherten, und in der besonders anrüchigen
Art und Weise, wie sie einen äußerst großen Bodenbesitz,
der jetzt mehrere zehn Millionen Dollar wert ist, von der
Dreieinigkeitskirche bekamen. Da alle Einzelheiten dieser
Transaktionen in früheren Kapiteln schon besprochen
sind, brauchen wir sie hier kaum zu wiederholen. Es
mag nur erwähnt werden, daß die Rhinelanders als
Hauptpersonen in Tammany-Hall, der herrschenden politischen
 Partei in der Stadt New York, die Gewalten der
Stadtregierung ausnutzten, um sich für einfach gar nichts
Bewilligung auf Bewilligung geben zu lassen. Von der
Dreieinigkeitskirche pachteten sie auf 99 Jahre ein großes
Areal, das jetzt den eigentlichen Knotenpunkt des New
            
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