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Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfen, verkaufen den Waren-
häusern so viel Platz, wie sie nur wünschen, und hüten sich
wohl, im sogenannten „Haupt“teil etwas gegen dieselben
Unternehmer zu schreiben. So wird das Publikum eifrig
in Unwissenheit gehalten über die Abscheulichkeiten, die
sich in den großen Warenhäusern abspielen.
Lieber in Schande als in Sklaverei
Trotz dieses Schweigens ist bekannt, daß die Warenhäuser
oft Herde der Prostitution sind: durch niedrige Löhne
und durch schlechte Umgebung. Die "Tatsache läßt sich
nicht hinwegleugnen. So zitiert W. T. Stead in seinem
Werke „Wenn Christus nach Chicago käme“ eine Bordell-
wirtin, namens Dora Claflin, die ihm sagte, die Insassinnen
ihrer Häuser bekäme sie aus den Warenhäusern, besonders
aus solchen, wo die Arbeitszeit lang und die Bezahlung
niedrig sei. Mehr als dieses Sensationsbuch beweist der
Bericht der Industriekommission für die Vereinigten Staaten,
Nachdem er die niedrigen Löhne der Frauen in den ver-
schiedenen Städten angeführt hat, sagt der Bericht: „Aus
diesen Zahlen erhellt, daß der Verdienst in vielen Fällen
geringer ist, als die notwendigen Ausgaben jetzt erfordern.
Bei dieser Sachlage sind sie zu einem unmoralischen Lebens-
wandel gezwungen, und es ist in der Tat nicht zweifelhaft,
daß die niedrigen Löhne, die den Frauen gezahlt werden,
aine der häufigsten Ursachen der Prostitution sind. Wenn
viele arbeitende Frauen sich ihre "Tugend trotz der
niedrigen Löhne und der gefährlichen Umgebung be-
wahren, so sind sie dafür nur hochzuschätzen!“
Welch ein Hohn auf dieses sogenannte Jahrhundert der
Kultur und Humanität, daß der Verkauf des Leibes mehr
abwirft als ehrliche Arbeit! Die Frauen müssen ihren Leib
hier wie dort verkaufen — wer kann es ihnen verdenken,
daß sie die Methode wählen, die müheloser ist und mehr
einbringt ? Etwa weil eine lasterhafte Gesellschaft diese Art
des Verkaufes mit dem Makel des Lasters behaftet hat?
7 Es ist wiederholt festgestellt worden, daß fast die Hälfte
der Prostituierten in Chicago aus den Warenhäusern kam.