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Der Jahresbericht der Fabrikinspektoren in Illinois für
1903—1904 zeigt auch, daß in den großen Schnittwaren-
manufakturen und Warenhäusern Chikagos Kinder unter
sechzehn Jahren beschäftigt wurden und zwar von 8 oder
9 Uhr morgens bis 10 oder 11 Uhr abends, und daß alle
Verbote der Kinderarbeit bei den Unternehmern auf den
heftigsten Widerstand stießen und sich erst nach zahl-
reichen Bestrafungen durchsetzen ließen.
Die Firma Marshall Field & Co. gedieh aber nicht bloß
durch diese Methoden. Was man Field auch vorwerfen
mag, er war ein geschickter Organisator, der es verstand, mit
anderen Leuten umzuspringen und sie auszunutzen, und
im Handel seine wichtige und sehr notwendige Rolle
spielte, wie ihm zugestanden werden muß. Seine Methoden,
so niedrig sie waren, wichen in keiner Hinsicht von den Me-
thoden der gesamten Handelswelt ab. Der einzige Unter-
schied war der, daß er mehr Erfolg hatte.
Field konzentriert alle Profite auf sich
Zu einer Zeit, als sich das ganze Geschäftsleben auf
den chaotisch wirren Gleisen des reinen -Konkurrenz-
kampfes bewegte, kam Field zu der Einsicht, daß der
Ladenbesitzer mit seinen Waren von der Gnade des Fabri-
kanten und des Engroshändlers abhängig war; mindestens
ging der Profit in drei Teile, von denen der Ladenbesitzer
nur einen bekam.
Nach dieser Einsicht handelte Field schon viele Jahre
früher, bevor sie den anderen Kleinhändlern aufdimmerte.
Er wurde sein eigener Fabrikant und Großhändler. So
konnte er seine Läden nach Wunsch mit Waren versorgen
und selber die Profite einstecken, die sonst an den Fabri-
kanten und den Großhändler gegangen wären. Dabei
zahlte er seinen Angestellten nur so viel, wie die anderen
Ladenbesitzer, die erst vom Großhändler kaufen mußten,
der seinerseits vom Fabrikanten kaufte, ihren Angestellten
bezahlten. So konnte er 50 Millionen Dollar jährlich um-
setzen, während Tausende von seinen Angestellten für einen
Jammerlohn arbeiteten. Er hätte ihnen viele Male soviel