fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Neue Dichtung. 
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kommen? Kein Zweifel: Männerfreundschaften bedeuten nur 
in seltenen Fällen noch Ineinanderfließen der Charaktere; das 
Schwärmerische der Jugendfreunds chaft fehlt; Interessen drängen 
sich vor, und Freundschaft heißt Bundesgenossenschaft. Und 
dies starke Band hielt auch die Dioskuren zusammen; vereint 
waren ihre Kräfte im Kampfe der literarischen Strömungen 
ervier⸗, ja verzehnfacht, und Goethe, insbesondere aber Schiller 
ist sich dessen wohl bewußt gewesen. Aber ist es dabei, ist es 
auch bei der „gegenseitigen Reibung“ geblieben? Schiller hat 
in einer Eintragung in das Album von Goethes ältestem 
Sohne die Freundschaft zwischen ihm und dem Vater als 
herzliches Band der Wechselneigung und Treue“ bezeichnet. 
Und man darf sagen: so war es. Aus einer Interessen⸗ 
gemeinschaft zum Kampfe nach außen und zur gegenseitigen 
Ergänzung entwickelte sich allmählich eine gemütvolle Schätzung 
des Charakters und das Gefühl gemeinsamer Unentbehrlichkeit, 
ja fast Einheit; in den Briefen bricht allmählich aus Höflich— 
keit Wärme hervor; und nichts ist vielleicht charakteristischer, 
als daß in ihnen schließlich auch Alltäglichkeiten, kleine An⸗ 
gelegenheiten des Hauses und der Familie, Raum gewinnen. 
Den innersten Kern des Bundes aber hat Goethe nach 
seiner Art in dem typischen Satze bloßgelegt: „Selten ist's, 
daß Personen gleichsam die Hälften voneinander ausmachen, 
iich nicht abstoßen, sondern sich anschließen und einander er⸗ 
zänzen.“ 
In der Tat: Hälften eines Ganzen, Hälften der deutschen 
Totalität ihrer Zeit gleichsam haben Goethe und Schiller dar— 
gestellt: wie das Rietschel in seiner Doppelstatue der Dichter 
Weimar, diesem Denkmal aller Goethe- und Schiller— 
denkmäler, verkörpert hat, dessen Nachbildung jetzt im Goldenen⸗ 
Tor-Park zu San Francisco auch eine andere Hemisphäre 
schmückt. 
Schon in der Herkunft der Dichter, ja bereits in der 
Herkunft ihrer Eltern tritt dies Komplementäre ihres Wesens 
— Urahnen sind Handwerker ge⸗ 
desen: in den untersten Schichten des Mittelstandes sind sie
	        
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