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diese Einschätzung für zu niedrig halten sollten, so würde
er seine sieben Sachen packen und anderswo hingehen, wo
die Steuerbehörden sich hüten, allzusehr in die Geld-
schränke hineinzuriechen, Aber als vor Gericht das Ver-
zeichnis seiner Besitztümer aufgenommen wurde, ergab
sich, daß er viele Jahre lang mindestens 17'/A Millionen
persönliches Vermögen besessen hatte, das nach den Ge-
setzen des Staates Illinois steuerpflichtig war. Wieder
war ein Idol in den Staub gesunken, denn die Lobredner
des Reichtums hatten sich nicht genug tun können, darauf
hinzuweisen, daß Field sein Vermögen nur seiner absoluten
Redlichkeit und seinem reinen, makellosen Charakter ver-
dankte.
Zu einer anderen Zeit hätte man die Tatsachen über seine
Steuerunterschlagungen unterdrückt und totgeschwiegen.
Aber damals besaß Chicago zufällig einen halbwegs an-
ständigen Gemeinderat, der ı 730000 Dollar zu wenig
gezahlter Steuern einklagte. Die Sache lag so klar, daß
Fields Vermögensverwalter sich zu einem Vergleich ent-
schlossen und eine Million Dollar zahlten. Hätte man aber
zu den ı 730 000 Dollar, die Field hinterzogen hatte, die
Zinsen für all die langen Jahre gerechnet, so wäre man auf
z Millionen gekommen.
Meineid und Steuerhinterziehung sind durchaus üblich
Aber diese Steuerhinterziehungen waren keine Spezialität
Fields. Nicht bloß er persönlich, sondern auch die Ge-
sellschaften, an denen er beteiligt war, und die ganze
Handelsklasse im allgemeinen taten wie er. Was die Pull-
man-Werke betrifft, so waren ihre Steuerhinterziehungen
jahrelang ein öffentlicher Skandal; John P. Altgeld, der
1893—95 Gouverneur von Illinois war, spielte in Reden
und Artikeln oft genug darauf an. Der ungewöhnlich
gründliche Bericht des Arbeitsbüros von Illinois für 1894
wies nach, wie die wertvollsten Grundstücke und Ge-
bäude Chicagos immer nur mit dem kleinsten Bruchteil
ihres wahren Wertes angegeben wurden: die kostspieligsten
Handelsgebäude etwa mit einem Zehntel, die reichsten