Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Vermögen herangezogen würde, während er nur 200 000 
Dollar versteuerte. Das sind nur zwei Beispiele aus den 
vielen, die der Bericht der Liga gibt. Man schätzte 1909, 
daß die Stadt Chicago auf mindestens eine Milliarde Dollar 
Aktienkapital von einer Menge Einzelpersonen und Gesell- 
schaften noch Steuern zu bekommen hätte. 
Wie die Astors, die Schermerhorns, die Rhinelanders 
und eine Reihe anderer, gab auch Field große Summen 
her; wie sie, wurde auch er mit Weihrauch überschüttet. 
Millionen gab er zur Errichtung und Erhaltung des Field- 
Columbian-Museums in Chicago und für die Chicagoer 
Universität. In Klammern sei daran erinnert, daß er neben 
letzterer viele Häuserblocke besaß, deren erhöhter Wert 
nach Errichtung der Universität seine Schenkungen mehr 
als deckte. Das könnte an sich ebenso Zufall wie kalte Be- 
rechnung gewesen sein — aber nach Fields sonstigen Me- 
:hoden zu schließen war es wahrscheinlich kein Zufall. 
Daraus, daß jemand seine Angestellten erbarmungslos 
ausbeutet und den Staat um Millionen für hinterzogene 
Steuern betrügt, folgt freilich nicht, daß er außerhalb des 
Geschäftlichen nicht ein gutherziger und freigebiger Mensch 
sein könne, Unter der gegenwärtigen Wirtschaftsordnung 
zwingt die Konkurrenz den einzelnen zu einem Kampf 
bis aufs Messer, und in diesem Kampf würde derjenige 
unterliegen, der weniger skrupellose Waffen brauchen wollte. 
Field könnte also im Geschäftsleben ein Raubtier und im 
Privatleben ein Wohltäter gewesen sein, und es fragt sich 
nur, ob er es wirklich war. 
Sei dem wie immer, es muß doch konstatiert werden, 
daß die Beträge, die Field für, philanthropische Zwecke 
gab, genau so hoch waren wie die Summen, um die er die 
Stadt Chicago allein für Steuern hinterging. Sieht man 
näher zu, so erkennt man, daß ein großer Teil all der Sum- 
men, den die Multimillionäre hergegeben haben, nur 
einen Bruchteil der Summen ausmacht, die sie an Steuern 
hinterzogen haben. William C. Schermerhorn bedachte 
die Columbia-Universität mit 300 000 Dollar; an Steuern 
hinterzog er viel mehr. Läßt man also die Tatsache, daß 
zie hundert Millionen Menschen um die Früchte ihrer
	        
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