Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

185 — 
Arbeit brachten, ganz beiseite, und betrachtet man nur die 
Steuerhinterziehungen, so erkennt man, daß unsere 
Magnaten sich durch gestohlene Gelder mit Nachruhm 
versorgt haben. 
„Die sein Vertrauen genießen,‘ so schrieb einer der 
glühendsten Lobhudler Fields, „versichern, daß er die 
Hauptmasse seines Vermögens öffentlichen Zwecken wid- 
men wird.“ Aber diese Prophezeiung ging nicht in Er- 
füllung. 
140 Millionen für zwei Knaben 
Fields Vermögen, gewöhnlich auf 100 Millionen Dollar 
berechnet, in Wahrheit aber etwa 140 Millionen Dollar 
groß, ging in der Hauptsache an seine beiden Enkel, Mar- 
shall Field III und Henry Field. Der alte Field schweißte, 
wie viele andere Multimillionäre seiner Zeit, sein Vermögen 
zu einer festen Masse zusammen, so daß es nicht mehr ein 
persönliches Attribut war, sondern ein abstraktes Wesen. 
Er setzte nämlich testamentarisch fest, daß 72 Millionen 
Dollar für Marshall III und 48 Millionen Dollar für Henry 
von einem Kurator verwaltet und erst 1954 mit den Zinsen 
ausgezahlt werden sollten. 
Diese Summe bestand nicht aus Bargeld, obgleich er 
allzeit eine hübsche Summe Goldes verstaut hatte (bei 
seinem Tode besaß er etwa 4'/, Millionen in den Banken), 
sondern hauptsächlich in Grundbesitz, in Obligationen und 
Aktien. Diese hatten eine weit größere anhäufende Kraft 
als Bargeld. Sie waren und sind unerbittliche Pfandbriefe 
auf die Arbeit von Millionen von Arbeitern, Männern, 
Frauen und Kindern, von jeglicher Beschäftigung. Durch 
einen Streifen Papier, Testament genannt, der die Laune 
eines Menschen verkörperte, bekamen diese Knaben, die 
vollkommen außerstande waren, die Größe dieses Vermögens 
auch nur zu kapieren, geschweige denn es im mindesten 
zu verwalten, gesetzliche, bindende Macht über eine Volks- 
masse für Generationen. Patterson sagt, daß in den Läden 
Fields und in den Pullman-Fabriken 50000 Menschen 
für diese Knaben arbeiten. Aber das sind nur die direkten
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.