Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Diese großen Zusammenschlüsse hatten also einen doppel- 
ten Kampf zu bestehen. Einerseits hatten sie sich gegen die 
Gewerkschaften zu wehren, anderseits gegen den Mittel- 
stand. Es war für ihre Interessen nötig, daß die Zentrali- 
sation der Industrie fortgesetzt wurde. Tatsächlich war das 
auch historisch und wirtschaftlich nötig. Folglich mußten 
sie alles daran setzen, jeden Versuch der Regierung, die Anti- 
trustgesetze durchzuführen, zu entkräften. Es war undenk- 
bär, daß die industrielle Entwicklung durch einen Mittel- 
stand aufgehalten werden sollte, der aus Egoismus einen 
Stillstand herbeigeführt hätte. 
Nachdem der Mittelstand eine Zeitlang in der Durch- 
setzung gewisser Gesetze, von denen die Vernichtung der 
Truste erhofft wurde, triumphiert hatte, wurde er hoff- 
nungslos geschlagen und beiseite geschoben. Infolge ihrer 
viel größeren Hilfsmittel und Geldquellen waren die Magna- 
ten imstande, die Durchführung dieser Gesetze zu verhin- 
dern und allmählich sich oder ihren Werkzeugen die höch- 
sten Machtbefugnisse zu sichern. Der Mittelstand ist jetzt 
nur noch eine Reminiszenz. Sogar die lärmenden Be- 
strebungen Roosevelts zu seinen Gunsten hatten nicht das 
geringste Resultat; die Truste sind mächtiger als je und üben 
einen Einfluß aus, der über jede Diskussion erhaben ist. 
Die Truste und die Arbeitslosen 
Mit dieser neueren Organisation und Zentralisation der 
Industrie vermehrte sich die Zahl der Arbeitslosen in er- 
schreckender Weise. In der Krisis des Jahres 1893 stieg sie 
auf etwa 3 Millionen, 1908 auf vielleicht 6, sicher aber 
5 Millionen. Diesem höchst bedauerlichen Zustand gegen- 
über blieb die Regierung gleichgültig. Die Gründe waren 
zweifacher Natur: die Regierung lag in Händen der kapi- 
talistischen Klasse, die ein Interesse daran hatte, keine Maß- 
nahme zu genehmigen, welche die Arbeiter unterstützen 
oder das Überangebot vermindern konnte. Der zweite 
Grund war der, daß die Regierung die herrschende wirt- 
schaftliche Auffassung vertrat, daß die Forderungen des Be- 
sitzes denen des menschlichen Lebens übergeordnet seien.
	        
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