Freie Wirt-
schaft.
ab, wobei eine sehr verschiedene Intensivität des Betriebes durch-
geführt werden kann, wie ebenso die Nutzung eine sehr ungleiche ist.
In Ländern wie England, Holland, Schleswig-Holstein, die für dieses
System durch ihr feuchtes Klima prädestiniert sind, lässt es sich
eine Reihe von Jahrhunderten zurückverfolgen. KExtensiv ist die
Durchführung dort, wo nur wenig Sorgfalt auf das Land verwendet
wird, das Wachstum des Grases künstlich wenig gefördert wird,
und die Umackerung nur selten stattfindet. Wo die natürlichen Be-
dingungen besonders günstige sind, kann auch dabei der Ertrag ein
erheblicher sein. Zwischen Husum und Tondern an der schleswigschen
Küste fanden wir nur einen sehr geringen Viehstand; Getreide- und
Kartoffelbau nur in solcher Ausdehnung, als er für den Bedarf der
Wirtschaft ausreichte. Dabei stand das Land sehr hoch im Preise,
und die Bauern hatten bedeutende Einnahmen, weil sie damals, An-
fang der siebziger Jahre, von Viehhändlern gegen bedeutende Zah-
lung Vieh zur Mastweide übernahmen, welches dann nach sechs bis
acht Wochen nach England verschickt wurde. So war bei wenig Auf-
wand von, Arbeit und Kapital die Nutzung eine sehr hohe. Aeusserst
intensiv wird das System in vielen Gegenden Englands durchgeführt,
zum Beispiel auf den Sewagefarmen, wo der Kloakeninhalt der benach-
barten Städte zur Berieselung der Grasfelder verwendet wird, der
Grasboden, wenn er nach fünf bis sechs Jahren beackert werden soll,
rayolt wird und, auch wenn das Land zum Graswuchse liegen bleibt,
es von dem Farmer fortdauernd geebnet und gewalzt wird, um die
Grasnarbe fest und gleichmässig zu machen. In den Wirtschaften von
Mecchi in der Umgegend von London wurde sogar der flüssig ge-
haltene Dünger aus den Stallreservoirs per Dampf auf die Felder ge-
trieben und dort mittels einer Spritze je nach Bedarf an Feuchtigkeit
ınd Dünger gleichmässig verteilt. Da hierzu naturgemäss ein be-
Jeutender Viehstand gehört, so wird fortdauernd viel Arbeit und
Kapital in der Wirtschaft verwendet.
5. Schliesslich bildet die freie Wirtschaft die höchste Stufe der
Kultur, wobei durchgreifende Bearbeitung des Bodens und sehr reich-
üiche und häufige Düngung gestatten, die zu bauenden Früchte unab-
hängig von den Wachstumsverhältnissen allein nach den Konjunkturen
zu wählen, um damit den höchsten Geldertrag zu erreichen, namentlich
durch Hineinziehung mannigfacher Handelsgewächse. Im Grossen er-
reicht sie die grösste Intensität durch vorwiegenden Aufwand von
Kapital, in der Form von Maschinen und künstlichen Düngemitteln,
z. B. bei dem Rübenbau in Anhalt oder in der Provinz Sachsen. Zwar
kann hier nicht beliebig jede Frucht gewählt werden, der Nutzen der
Wiederkehr der Rübe auf demselben Felde hat erfahrungsgemäss eine
Grenze, schon weil sich dadurch die Schädlinge der Rübe zu sehr ver-
mehren und die Ernten vernichten, wie ebenso bei der Oelfrucht, aber
doch kann von einem regelmässigen Fruchtwechsel abgewichen, z. B. der
Roggen mehrere Jahre hintereinander gebaut werden, wenn es die Preis-
verhältnisse wünschenswert machen. Auch die Einschiebung von Kümmel,
Zwiebeln etc. ist dabei ermöglicht. Viel grössere Freiheit wird aber
bei dem Kleinbetriebe erlangt durch vorwiegenden Aufwand von
Arbeit, insbesondere durch die Spatenkultur. Dies ist bekanntlich am
meisten ausgebildet in China und Japan, trotz geringer Viehhaltung